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Glückloser Pechvogel

Der Legende nach erzielen Hedgefonds phänomenale Renditen. Doch stimmt das überhaupt? Nicht wirklich. Tatsächlich gilt häufig: „Außer Spesen nichts gewesen.“ Wir berichten vom Aufstieg und Fall mehrerer Hedgefonds-Manager.

In der Wahrnehmung vieler Menschen erzielen Privatanleger mäßige Renditen, Finanzprofis hohe Renditen und Hedgefonds-Manager astronomisch hohe Renditen. Und tatsächlich gibt es legendäre Fälle, in denen Hedgefonds Milliarden verdienten: Man denke an George Soros, der mit Spekulationen gegen das Englische Pfund an nur einem einzigen Tag im Jahr 1992 eine Milliarde Dollar verdiente. Bei John Paulson schätzt man, dass sein Fonds mit Spekulationen auf einen Zusammenbruch des Immobilienmarktes 2008 unglaubliche 15 Milliarden Dollar erzielte. Weniger ausführlich wird hingegen über den Fall solcher einstigen Starmanager berichtet. So haben beispielsweise bei John Paulson Anleger einen Großteil ihrer Gelder wieder abgezogen – kein Wunder, erwirtschaftete doch sein „Flaggschiff“-Fonds mehrere Jahre hintereinander trotz allgemein steigender Börsen negative Renditen im zweistelligen Bereich.

Ähnlich ergeht es David Einhorn, einem weiteren einstigen Starmanager (privates Vermögen von 1,4 Mrd. Dollar), der mit einer höchst erfolgreichen Wette gegen Lehman Brothers in der Finanzkrise bekannt wurde. Später lief es hingegen nicht so gut, und in 2018 musste Einhorn einen Verlust von 34 % verbuchen. Wer die Bestände in Einhorns Portfolio durchgeht, muss unweigerlich an das Fußballerzitat „Zuerst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu“ denken.

Einhorn glaubte, dass Netflix überbewertet sei, und wettete auf fallende Kurse. Netflix stieg aber weiter. General Motors hielt Einhorn für günstig bewertet und kaufte; in 2018 fiel die Aktie. Eine große Position in Bayer? Bekanntlich endete Bayers Übernahme von Monsanto für die Aktionäre im Desaster. Interessant ist auch, wie Einhorn an anderer Stelle versuchte, über Bande zu spielen: Er sah voraus – diesmal sogar korrekt – dass Krypto-Währungen wie Bitcoin implodieren würden. Da sich Bitcoins nicht leerverkaufen lassen, wollte Einhorn davon jedoch zumindest indirekt profitieren und setzte auf fallende Kurse bei Computerchip-Herstellern. Computerchips werden benötigt, um neue Bitcoins elektronisch zu „schürfen“. Beim Chiphersteller Nvidia ging die Wette auch auf, mit einem großen Investment beim Konkurrenten Micro Devices lag Einhorn jedoch daneben: Hier stieg der Kurs um 60 %. Auch Einhorns Spekulation auf einen Untergang des Elektroautobauers Tesla erfüllen sich weiterhin nicht. Die Liste an verlorenen Wetten nimmt scheinbar kein Ende: Auch bei unbekannten Unternehmen – norwegischen Fischfarmen und Rückversicherern – ging Einhorn seine Positionen mit dem falschen Vorzeichen ein.

Die ökonomische Logik vieler seiner Wetten ist uns ja sogar durchaus sympathisch: Der „Glamour-Aktie“ Netflix niedrige Renditen und dem günstig bewerteten Unternehmen General Motors hohe Renditen vorherzusagen, entspricht der Logik des „Value Investings“. Auch quirion folgt solch einem Ansatz. Es gibt aber zwei bedeutende Unterschiede: Im Unterschied zu Einhorn nehmen wir deutlich geringere Gebühren, so dass Mehrerträge dem Anleger und nicht dem Fondsmanager zufließen. Und, noch wichtiger: Unsere Portfolios werden systematisch und breit diversifiziert zusammengestellt. Die von uns ausgewählten Value-ETFs enthalten tausende von Unternehmen mit starker Substanz. Das Risiko, so extrem danebenzuliegen, wie Einhorn es mit seinen Einzelwetten passiert ist, können wir durch diese extrem breite Streuung ausschließen.

Auch bei Investments in Anleihen lässt sich genau das gleiche Schema beobachten: Beispielsweise hat der einstmalige „König der Anleihen“, Bill Gross, in jüngster Zeit arg an Glanz verloren. Er verwaltete einstmals 300 Mrd. Dollar, mittlerweile ist es nur noch knapp eine. Anleger zogen ihre Gelder nicht ganz zu Unrecht ab: Jüngste Studien zeigen, dass ein Gutteil der lange Zeit erwirtschafteten Mehrrendite einem recht simplen Trick zu verdanken war: Gross mischte seinem Fonds Anleihen mit schwächerer Bonität bei und setzte auf Anleihen mit langer Laufzeit. Dass diese Anleiheklassen höhere Renditen erwirtschaften, ist jedoch allgemein bekannt, auch in den Anleiheportfolios von quirion nutzen wir diesen Effekt aus. Starmanager und exorbitante Gebührenmodelle benötigt man hierfür nicht.

Doch zurück zu Einhorn: Hier sind die einstmals verwalteten 11 Mrd. Dollar durch die schlechte Rendite und den Abzug von Kundengeldern auf nur noch 2,5 Mrd. Dollar geschrumpft. Dieser Zyklus ist typisch: Das rechtzeitige Identifizieren von talentierten Fondsmanagern ist quasi unmöglich. Stattdessen lassen sich Anleger regelmäßig mit – eher zufällig erwirtschafteten – historisch guten Renditen locken. Kaum hat die Masse investiert, gesellt sich zum ausbleibenden Glück das Pech hinzu und beschert der Anlegermehrheit schlechte Renditen bei hohen Kosten. Einhorns Fonds verlor seit 2012 insgesamt 40 %, wohingegen ein simples Indexinvestment in den amerikanischen S&P 500 eine Rendite von plus 25 % erzielt hätte. Relativ zum Markt hat Einhorn also die Hälfte des Vermögens seiner Anleger vernichtet.

Wetten wie die von George Soros mögen Historiker interessieren, aber als Vorbild für eine erfolgreiche Geldanlage taugen sie nicht. Wir wollen deshalb enden mit einem Zitat des Kapitalmarktforschers und Nobelpreisträgers Eugene Fama, der dies genauso sieht: „Ich kann mir nicht erklären, warum irgendjemand in aktiv gemanagte Strategien investiert, und die Frage nach Hedgefonds ist lediglich eine extreme Version genau dieser Frage. Da ich denke, dass alle Wertpapiere korrekt bepreist sind, ist mein Ratschlag, hohe Kosten zu vermeiden. Also, vergessen Sie Hedgefonds.“

Quellen zu diesem Artikel:

Der Aufstieg und Fall von John Paulson findet sich hier.

Die Positionen von David Einhorn wurden hier berichtet.

Die wissenschaftliche Analyse von Bill Gross’ Renditen finden Sie hier, einen Bericht über seinen „tiefen Fall“ hier.

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