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News • 30.01.2018 Ein Jahr Trump: Was Anleger wissen müssen

Geht die Rallye weiter oder nähern wir uns der nächsten Weltwirtschaftskrise? Das erste Jahr unter Donald Trump als US-Präsident bietet viel Stoff für Spekulationen. Dabei kann es für Anleger nur eine Antwort geben.

Seit 70 Jahren zeigt die sogenannte „Doomsday Clock“ an, wie nah die Welt am Abgrund steht. Ausschlaggebend ist das „Bulletin of the Atomic Scientists“ (BAS), das in regelmäßigen Abständen die globale Sicherheitslage analysiert. Vergangene Woche hat die Gruppe der Wissenschaftler, darunter 15 Nobelpreisträger, die Weltuntergangs-Uhr um 30 Sekunden auf zwei Minuten vor Mitternacht vorgestellt. Verantwortlich für diese Entwicklung seien vor allem die gegenseitigen Drohungen von US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Diktator Kim Jong-un.

Die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten und seine Amtseinführung, die sich am 20. Januar 2018 jährte, hat schon zu vielen düsteren Prognosen Anlass gegeben. „Mir schweben Vergleiche mit der Wirtschaftskrise in den Dreißigern vor“, hatte der US-amerikanische Ökonom Michael Burda noch kurz vor der Wahlentscheidung im November 2016 im Interview mit dem Tagesspiegel prognostiziert. Sollte Trump gewinnen, rechneten die Analysten von Barclays mit einem Einbruch des S&P 500 von elf bis 13 Prozent. Und auch während des ersten Amtsjahres wurde jede Negativ-Schlagzeile über das Weiße Haus als Signal für einen Crash gewertet. Vor allem die „America first“-Politik würde der US-Wirtschaft schaden, schrieb das Handelsblatt im September unter Berufung auf eine Untersuchung des Münchner Ifo-Instituts im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung.

Die Wirtschaft zeigt sich unbeeindruckt von „alternativen Fakten“, Dekreten gegen muslimische Einwanderer, Mauerbauplänen oder miserablen Umfragewerten.

Performance kein Trump-Phänomen

Die Bilanz der bisherigen Präsidentschaft sieht dagegen anders aus. Den USA geht es wirtschaftlich gut. Seit der Amtseinführung vor gut einem Jahr ist der S&P 500 um 17 Prozent, der Dow-Jones-Aktienindex gar um 23 Prozent gestiegen. Nicht schlecht, zumal die Steigerungen vor der jüngsten Kurskorrektur noch höher ausgefallen waren.

Die Wirtschaft zeigt sich unbeeindruckt von „alternativen Fakten“, Dekreten gegen muslimische Einwanderer, Mauerbauplänen oder miserablen Umfragewerten. Nicht einmal Trumps Unterstützung von Rassisten in Charlottesville, die andauernden Ermittlungen in Bezug auf eine mögliche russische Einflussnahme auf die US-Präsidentschaftswahl oder das Enthüllungsbuch „Fire and Fury“ konnten die Hausse im vergangenen Jahr bremsen, in deren Fahrwasser die Arbeitslosenquote mit 4,1 Prozent Ende 2017 auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren gefallen ist. Und nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) verbessert Trumps Steuerreform die Wachstumsaussichten für die USA. Die Erwartungen für die USA wurden für 2018 um 0,4 Punkte auf 2,7 Prozent nach oben geschraubt und für 2019 um 0,6 Punkte auf 2,5 Prozent.

Die wirtschaftlichen Erfolge des vergangenen Jahres sehen Trumps Anhänger als größten Erfolg des US-Präsidenten, auch wenn die gute Lage der USA nicht allein sein Verdienst war.

Auch die sinkende Zahl der Arbeitslosen folgt einem langfristigen Trend und ist somit nicht allein oder vielleicht auch gar nicht Trump zuzurechnen.

Überzeuge Dich selbst!

Der Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller glaubt, dass es noch eine Weile einen Trump-Boom geben wird. „Aktien sind teuer, aber noch nicht superteuer“, sagt Shiller, der die Wirtschaftspolitik von Trump allerdings für wenig überzeugend hält. „Er war nie deutlich und konsistent, in dem, was er machen wird.“ Und auch IWF-Chefvolkswirt Maurice Obstfeld warnt, dass die aktuelle Wachstumsbeschleunigung maßgeblich auf Faktoren beruhe, die nicht nachhaltig sind. Sollte die Politik nicht rasch Strukturmängel beheben, eine gerechtere Verteilung des Wohlstands erreichen und besser für die Zukunft vorsorgen, könne der Aufschwung schneller als erwartet enden.

Eigene Ziele fokussieren
Aber was können Anleger mit solchen Zahlen und Einschätzungen anfangen? Deuten die aktuellen Kursschwankungen an den US-Märkten bereits auf ein Ende des langjährigen Booms hin? Stehen wir gar vor einem Crash wie 1929? Oder geht die Rallye auch in den kommenden Jahren unbeeindruckt einer polarisierenden und auf Konfrontationskurs aufgebauten Trump-Politik weiter?

In solchen Zeiten sind jene Propheten nicht weit, die Anlegern vermeintlich krisensichere Tricks anraten, mit denen sich von den einbrechenden Kursen angeblich sogar profitieren lässt. Put-Optionsscheine oder Delta-Hedging sind für dieses Szenario vieldiskutierte Stichworte. Andere wiederum geben Tipps, welche Aktien durch den Trump-Faktor weiter durch die Decke gehen werden und lenken Anleger in eine riskante Einzeltitel-Strategie.

Unser Rat: Lassen Sie sich von solchen Propheten nicht beeinflussen! „Eine Geldanlage, die versucht, sich gegen das eine oder andere Szenario abzusichern oder sogar Profit aus ihm zu schlagen, kann bestenfalls zufällig die gewünschten Ergebnisse erzielen“, erklärt Philipp Dobbert, Chefvolkswirt der Quirin Privatbank. „Langfristig kosten derartige Ansätze schlichtweg Rendite, weil überraschende Aufwärtsbewegungen der Finanzmärkte systematisch verpasst werden.“

Nachhaltigen Erfolg erzielt dagegen der, der als Anleger genau diejenige Risiko- und damit Aktienquote für den eigenen Vermögensaufbau wählt, die unter Rendite- und eben auch unter Risikogesichtspunkten zu den eigenen Zielen und Bedürfnissen passt. Voraussetzung dafür ist, dass Anleger sich von Prognosen und der Entwicklung bestimmter Branchen und Märkte unabhängig machen. Das gelingt bei quirion unter anderem durch die Streuung des Vermögens über Wertpapierformen, Länder, Branchen und Währungen hinweg. Je breiter das Portfolio aufgestellt ist, desto geringer die Schwankungsbreite und damit das Risiko, etwa durch eine politische oder ökonomische Krise entscheidend betroffen zu sein.

Betrachten Sie Börsenprognosen oder Weltuntergangsuhren als das, was sie sind: Aktionen, die ihren Urhebern Aufmerksamkeit bringen. Entsprechend sollten Sie auch als erstes Ihre Ziele und Bedürfnisse im Blick behalten. Erst wenn sich diese ändern, passen Sie die Risikoquote an – nicht aber auf Basis einer wie auch immer fundierten Markteinschätzung. Denn diese fügt dem ohnehin nicht vollständig vermeidbaren Risiko des Kapitalmarktes auch noch das Prognoserisiko hinzu – mit allen möglichen negativen Implikationen für die Rendite.

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