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News • 14.03.2018 Warum die Geldanlage keine Talkshow ist

Die Zukunft der Kapitalmärkte lässt sich nicht vorhersagen. Weder von ausgefeilten wissenschaftlichen Risikomodellen noch von hochdotierten Gurus. Kleiner Trost für die Experten: Nicht alle sind gleich schlecht.

Der Traum aller Anleger ist eine Investition mit hohen Gewinnchancen bei vernachlässigbarem Risiko. Genau an dieser Stelle liegt der psychologische Anknüpfungspunkt vieler Finanzdienstleister. Sie behaupten, dass es möglich sei, Risiken durch ausgefeilte Risikomanagementsysteme frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu agieren. Nichts anderes versprechen sich Anleger, wenn sie den Marktkommentar im Fernseher einschalten oder andere Medien nach Prognosen und Meinungen durchforsten. Die Theorie: Wer vor der Kamera oder bei einer internationalen Investmentbank auf dem Gehaltszettel steht, der wird schon wissen, welche Werte und welche Märkte sich lohnen und welche nicht.

In der Praxis sieht das aber ganz anders aus: Kein System dieser Welt und kein noch so hoch gehandelter Experte kann solche Vorhersagen tatsächlich leisten. Wissenschaftliche Forschung zeigt zweifelsfrei, dass sich die großen Umschwünge an den internationalen Finanzmärkten – und um diese geht es, nicht um das kurzfristige Auf und Ab – nicht prognostizieren lassen. Bestes Beispiel ist ein Blick zurück in die Zeit der Finanzmarktkrise der Jahre 2007/2008 und auf den entsprechenden Kursverfall des DAX. Es waren schließlich nicht nur die Privatanleger, die herbe Verluste hinnehmen mussten. Getroffen hat es insbesondere große Institute, denen die unterschiedlichsten und teuersten Risikomodelle und menschlichen Experten zur Verfügung stehen.

Experten kaum besser als ein Zufallsgenerator

Auch der US-amerikanische Psychologe Philip Tetlock kann die Experten nicht entlasten. Der 54-Jährige ist Professor an der University of California, Berkeley. In einem mehr als zwei Jahrzehnte dauernden Forschungsprojekt hat er die Prognosen von fast 300 Kommentatoren zu allen möglichen Sachverhalten untersucht. Bis 2003 hatte er mehr als 82.000 Vorhersagen gesammelt. Diese wurden mit der Realität sowie mit Vorhersagen von einfachen statistischen Modellen und von Laien verglichen. Im Ergebnis schnitten die Experten kaum besser ab als die Laien oder der Zufallsgenerator.

Dem weiteren Verlauf ihrer Forschung verdanken Tetlock und sein Team noch eine weitere Entdeckung. Es gibt sogenannte „Superforecaster“, also Menschen, die häufig bessere Vorhersagen machen als andere Experten. Superforecaster sind in der Regel selbstkritische Denker, die bereit sind, ihre Überzeugungen zu hinterfragen und zu erneuern, wenn sie mit gegensätzlichen Fakten konfrontiert werden. Allerdings sind diese Menschen in der Regel auch eher zurückhaltender Natur. Im Gegensatz zu der Art von Experten, die eine große Idee haben und diese auch gekonnt und überzeugend artikulieren. Das Problem: Die Medien stürzen sich eher auf die zweite Gruppe.

Für eine systematische und prognosefreie Geldanlage ist die Entdeckung der Superforcaster nicht mehr als ein Funfact. Im Bereich der Kapitalmärkte sind solide Vorhersagen quasi unmöglich. Deshalb setzt quirion auf Fakten und die Erkenntnisse der modernen Finanzmarktforschung. Die Gurus sorgen allenfalls für gute Unterhaltung im Abendprogramm.

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