Zum Inhalt springen

28.02.2020 Aktienbörsen im Bann des Coronavirus

Seit Anfang letzter Woche befinden sich die weltweiten Aktienbörsen aufgrund der anhaltenden Unsicherheiten rund um die Verbreitung des Coronavirus und die damit verbundenen wirtschaftlichen Auswirkungen im Korrekturmodus.

Der globale Aktienindex MSCI World hat – in Euro gerechnet – in den 4 Tagen von Montag bis Donnerstag (24. bis 27.02.) rund 10 % verloren. Der DAX gab im gleichen Zeitraum um ca. 9 % nach. Seit Jahresbeginn beläuft sich das Minus der beiden Indizes auf rund 6 % (MSCI) bzw. ca. 7 % (DAX) – ebenfalls Stand 27.02. Aktuell setzt sich die Abwärtsbewegung weiter fort.

Wir möchten an dieser Stelle die aktuellen Geschehnisse an den Börsen für Sie möglichst sachlich einordnen und gleich zu Beginn betonen, dass auch in dieser Abwärtsphase der kühle Kopf die besseren Anlageentscheidungen trifft als das womöglich emotional aufgeladene Bauchgefühl.

©foxyburrow - stock.adobe.com

Folgendes lässt sich zur Stunde konstatieren:

  • Die konjunkturelle Relevanz der Epidemie ist nicht von der Hand zu weisen. Denn schon jetzt ist absehbar, dass es wachstumsdämpfende Wirkungen geben wird – nicht nur in China, sondern durch den hohen Einfluss Chinas auf die Weltwirtschaft und die internationale Verzahnung auch global gesehen.
  • Je länger ganze Regionen nicht die übliche ökonomische Aktivität und Produktion entfalten können, desto mehr fehlen Zwischen- oder auch Endprodukte für die globalen Lieferketten.
  • Die negativen Effekte auf das globale Wirtschaftswachstum exakt zu quantifizieren, ist aus zweierlei Gründen nicht möglich:
    • Naheliegenderweise ist erstens ja gar nicht vorherzusagen, wie lange und wie flächendeckend die Epidemie fortschreiten wird.
    • Zweitens ist nicht abzusehen, welche anderen, ökonomisch noch relevanten Faktoren in 2020 auf die Konjunktur und das Wachstum in China und der Welt einwirken werden.
  • Mit Blick auf den noch nicht final gelösten Zollkonflikt gehen wir davon aus, dass sich die maßgeblichen Protagonisten in den USA und China angesichts des Coronavirus eher weiter aufeinander zu bewegen.

Dies gilt speziell für Donald Trump, vor allem angesichts seiner angestrebten Wiederwahl im November d. J., für die eine merkliche Abschwächung der US-Wirtschaft wegen des Zollstreits Gift wäre.

Es gibt darüber hinaus weitere triftige Gründe, die gegen einen überhasteten Verkauf von Aktien sprechen – auch in Zeiten von Corona:

  • Die Aktienmarktbewertungen (Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Buchwert-Verhältnis) steuern im Zuge der aktuellen Korrektur auf attraktivere Größenordnungen zu, was zu Käufen reizt.  
  • Ohnehin besitzen Aktien durch das anhaltende Niedrigzinsumfeld und die extrem hohe Liquidität an den Märkten schon seit geraumer Zeit den Status der „Alternativlosigkeit“ – daran wird sich angesichts von unverzinsten Spar- und Festgeldkonten auch so schnell nichts ändern. 
  • Wir haben es zweifelsohne mit einem neuartigen, sich schnell ausbreitenden Virus zu tun. Niemand kann aktuell seriös abschätzen, wie sich die Situation weiterentwickeln wird. In puncto Aggressivität hält sich der Schrecken aber bislang in Grenzen. Es sind bislang noch keine dramatisch ansteigenden Todesfallraten zu verzeichnen (Wissenschaftler gehen aktuell von einer Mortalitätsrate von deutlich unter 2 % aus) – vor allem Menschen mit erheblichen Vorerkrankungen sind ihm tragischerweise zum Opfer gefallen. Von den alljährlichen Grippewellen sind in der Regel oftmals deutlich mehr Menschen betroffen – auch diejenigen mit Todesfolge.
  • Für den Fall einer sich merklich eintrübenden Konjunktur in Folge des Coronavirus rechnen wir mit zusätzlichen (noch stärkeren) geldpolitischen Impulsen seitens der Notenbanken und mit Konjunkturprogrammen durch die betroffenen Staaten.
  • Nach der Lösung des Corona-Problems – an der die Wissenschaftler mit Hochdruck arbeiten – sollten sich spürbare konjunkturelle Nachholeffekte ergeben.
  • Zur Einordnung: Die aktuelle Kurskorrektur an den weltweiten Aktienmärkten ist bis dato nicht außergewöhnlicher als diejenigen Kursrücksetzer, mit denen wir schon in der Vergangenheit zu tun hatten (siehe nachfolgende Grafik).

MSCI World
10-Jahres-Chart in Euro und inkl. Nettodividenden

Stand: Schlusskurse vom 27.02.2020 Quelle: vwd Diese Zahlenangaben beziehen sich auf die Vergangenheit. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

Last but not least möchten wir betonen, dass die aktuellen Kursverluste zwar fraglos schmerzlich sind, diese sich aber mit Blick auf den historisch aufgebauten Gewinnpuffer relativieren: 

  • Kumulierte 3-Jahresperformance des MSCI World: 21,3 %
  • Kumulierte 5-Jahresperformance des MSCI World: 38,2 %

(jeweils in Euro inkl. Nettodividenden, Stand: Schlusskurse vom 27.02.2020)

Der DAX hat im Übrigen in den beiden Zeiträumen kumuliert 4,5 bzw. 8,5 % zugelegt. 

Fazit

Zugegeben: Solange es keine Klarheit bezüglich einer wirksamen Eindämmung und Bekämpfung des Virus gibt, besteht die Gefahr, dass die Weltbörsen vorerst nervös bleiben. Das ist aus Sicht der Anleger zweifelsohne unbequem, weil sie damit vorerst in die Warterolle gedrängt werden.

Das Letzte, was in der Corona-Krise allerdings gebraucht wird, ist Panikmache. Das gilt für vermeintliche Virusfachleute, die über die weitere Ausbreitung der Krankheit wild spekulieren, wie für Wirtschaftsvertreter, die verfrüht nach staatlichen Hilfen rufen, weil sie eine nahende Rezession wittern.

Lassen Sie sich nicht nervös machen und bewahren Sie Ruhe: Eine ganze Reihe von Faktoren spricht dafür, dass auch dieses Mal Geduld auf längere Sicht belohnt wird, auch wenn sich die Auswirkungen des Virus auf die Weltwirtschaft und mögliche Reaktionen von Regierungen derzeit nicht seriös prognostizieren lassen.

Seien Sie versichert: Wir behalten die Lage für Sie sehr genau im Auge, raten aber ganz im Sinne unserer langfristig ausgelegten Anlagephilosophie von irrationalen Schnellschüssen ab.

Disclaimer/rechtliche Hinweise 

Die Informationen wurden einzig zu Informations- und Marketingzwecken zur Verwendung durch den Empfänger erstellt und können keine individuelle anlage- und anlegergerechte Beratung ersetzen. Sie stellen keine Anlagestrategieempfehlung und Anlageempfehlung i. S. d.§85 WpHG dar.

Wir weisen in diesem Zusammenhang ausdrücklich darauf hin, dass die veröffentlichten Dokumente nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unabhängigkeit von Finanzanalysen genügen und auch keinem Verbot des Handels im Anschluss an die Verbreitung von Finanzanalysen unterliegen.

Newsletter-AnmeldungBleibe auf dem Laufenden!

Wähle eine
Wähle mehrere