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17.12.2018 Unser Marktausblick für 2019: quirion prognostiziert Aktienrendite von 7,6 %!

Das Jahr 2018 geht zu Ende – Zeit für einen Rück- und einen Ausblick. Unser Rückblick: Wir haben uns die Prognosen anderer Banken angeschaut und sie auf ihre Treffsicherheit überprüft, mit eindeutigem Ergebnis. Unseren Ausblick für 2019: Erläutern wir am Ende dieses Textes.

Alle Jahre wieder, in der Weihnachtszeit, wiederholt sich ein Ritual: Die Kursprognosen der Chefstrategen, Chefvolkswirte und Fondsmanager für das nächste Jahr werden veröffentlicht. Für 2019 prophezeit beispielsweise die DWS „sieben bis acht Prozent Plus beim Dax“. Die BayernLB ist hingegen skeptischer und warnt nebulös vor einer „Eintrübung des Aktien-Umfelds“. Das Problem: Diese Prognosen sind entweder falsch – oder höchstens zufällig ab und an richtig. Um das zu sehen, wollen wir uns vergangene Prognosen anschauen.

Das Anlagethema des Jahres 2018 waren Kryptowährungen. Nichts schien den unaufhaltsamen Aufstieg von Bitcoin, Ethereum und Co bremsen zu können. Logisch, dass die Kurse weiter steigen werden, oder? So sah es wohl auch die „Hedge-Fonds-Legende“ Michael Novogratz und prognostizierte einen Bitcoin-Kurs von 40.000 $ und eine Verdreifachung von Ethereum zu Ende 2018. Es kam dann bekanntlich anders: Ein Bitcoin kostet aktuell knapp 3.400 $ und Ethereum hat sich nicht verdreifacht, sondern 80 % an Wert verloren.

Wie sah es bei Aktien aus? Bei deutschen Aktien verlief das Jahr 2018 unerfreulich, der DAX verzeichnet kurz vor Jahresende ein Minus von 16 %. Wurde das vor einem Jahr vorausgesehen? Man findet die alten Prognosen hier. Das Ergebnis: Von 32 Instituten sah lediglich ein einziges ein negatives Börsenjahr voraus, mit minus 5 % statt der tatsächlichen minus 16 %. Alle anderen prophezeiten ein deutliches Plus. Die Citigroup und das vornehme Bankhaus Sarasin lagen immerhin bei der Zahl richtig, 16 %, vertaten sich aber im Vorzeichen. Wer sich alle Prognosen auf der zitierten Internetseite anschaut sieht, dass Fehlprognosen nicht die Ausnahme sind, sondern die Regel (in den USA ist es genauso). Es ist immer das gleiche Muster: Die Schätzungen liegen meist so zwischen plus 5 und 10 % und stellen sich im Nachhinein in guten Jahren als zu niedrig heraus. Bricht der Markt hingegen ein, wird auch das nicht vorausgesehen.

Wie begründeten die Häuser ihre Prognosen? „Die niedrigen Zinsen werden eine Korrektur wahrscheinlich verhindern“, wusste der Chefstratege der DZ Bank, Christian Kahler. „Sprudelnde Unternehmensgewinne dürften den deutschen Aktienmarkt auch im kommenden Jahr antreiben“, erläuterte der Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank. So kann man es immer noch auf der Nachrichtenseite der WELT lesen.

Es kam bekanntlich anders und das aus gutem Grund: Denn plausibel sind diese Erklärungen lediglich auf den allerersten Blick. Tatsächlich wird ein nur halbwegs funktionierender Markt solche Informationen sofort einpreisen, so dass die Kurse sofort steigen anstatt erst im Laufe des Jahres 2018. Oder glauben die Herren Chefstrategen, dass andere Marktteilnehmer viele Monate länger benötigen um diese soeben zitierten „Erkenntnisse“ mitzubekommen? Hier wird doch jemand für dumm verkauft, entweder die Fondsmanager-Kollegen in den Bankentürmen auf der anderen Straßenseite – oder der Leser.

Investieren statt prognostizieren!

Wer sich mit Prognosen am Aktienmarkt beschäftigt, hat mindestens seine Aufmerksamkeit verschenkt (was die News-Seiten über Werbeanzeigen in bares Geld umwandeln können), eventuell etwas Geld für Abos oder kostenpflichtige Aktientipps ausgegeben, im schlimmsten Falle aber viel Geld über eine falsche Anlagestrategie verloren. Konkretes Beispiel aus 2018: Die Deutsche Bank traute „Finanzwerten Kurspotenzial zu“ und „sah hier noch Nachholbedarf“. Wer im Vertrauen hierauf Anfang 2018 in die beiden DAX-Bankenwerte Deutsche Bank und Commerzbank investierte, besaß am Jahresende allerdings nur noch einen DAX-Wert – und hatte sein Vermögen halbiert.

Was hat es nun mit unserer Kursprognose von 7,6 % auf sich, die wir reißerisch in der Überschrift verkündet haben? Zum einen: Anscheinend hat es funktioniert und Sie lesen diesen Artikel. Zum anderen: Auch in unserem möglichst prognosefreien Anlagemodell benötigen wir Prognosen, denn ganz ohne geht es nicht. Unsere Prognose lautet: Aktien erwirtschaften im langfristigen Mittel eine höhere Rendite als Anleihen. Warum wir das glauben? Weil es plausibel ist (mehr Rendite für mehr Risiko) und weil dies in den letzten Jahrhunderten der Fall war. Demnach sollten Aktien im Mittel knapp 10 % pro Jahr an Rendite liefern. Diese Zahl haben wir – in Einklang mit dem Stand der Forschung – aufgrund des generell niedrigen Renditeumfelds in allen Anlageklassen aktuell nach unten korrigiert. Und: Wir machen sehr deutlich, dass sich unsere Prognosen niemals exakt erfüllen werden. Tatsächlich weisen wir in unseren Anlagevorschlägen wahrscheinliche Aktienentwicklungen zwischen minus 17 % und plus 40 % pro Jahr aus.

Was bedeutet das für Ihre Geldanlage? Zuallererst: Prognosen sollten Sie entweder ignorieren, oder lesen wie Horoskope: Weil sie lustig sind, nicht weil Sie daran glauben. Und: Market-Timing – also der Versuch, durch ständiges Ein- und Aussteigen den Markt zu schlagen – funktioniert nicht. Stattdessen verursacht es Kosten (sprich aus Sicht der Finanzindustrie: Einnahmen) und birgt die Gefahr, nach einem Ausstieg die nächste Erholung zu verpassen. Gerade nach schlechten Börsenjahren, wie es 2018 eines werden wird (diese Prognose gestatten wir uns), lässt sich dieser Anlagefehler bei Anlegern verstärkt beobachten.

Nicht immer werden Kursprognosen so plakativ geäußert wie in den oben zitierten Beispielen. Doch auch in vielen „wissenschaftlichen“ Anlagekonzepten verbergen sich Prognosen, geht es doch letztendlich immer darum, durch Umschichtungen im Portfolio den Markt zu schlagen. Häufig wird dann auf historische Rückrechnungen verwiesen, die mit dieser Strategie ein Mehr an Rendite ausweisen. Doch nicht ohne Grund heißt es bei jeder Anlageempfehlung: Frühere Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung. Auch bei wissenschaftlichen, aufwändig statistisch getesteten Studien ergibt sich in der Rückschau häufig die Erkenntnis: Die versprochene Mehrrendite stellt sich nicht ein. quirion ist deshalb auch an dieser Stelle extrem zurückhaltend mit Prognosen und setzt nur um, was sich über viele Jahrzehnte hinweg und in verschiedenen Märkten bewährt hat: Nämlich die Investition in niedrig bewertete Unternehmen und in kleine Unternehmen. Darüber hinausgehende Ansätze vernichten durch hohe Transaktionskosten Rendite und verschlechtern durch eine Konzentration auf einzelne Anlagen die Diversifikation.

Für quirion haben marktschreierische Kursprognosen lediglich Unterhaltungswert. Statt sich an diesen zu orientieren bieten wir „the same procedure as every year“: Eine kostengünstige, maximal diversifizierte Investition in die nachgewiesenen Renditequellen der internationalen Märkte.

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