Eine ruhige Hand auch in heftigen Börsenzeiten
Ein Marktkommentar von quirion

Robert J. Shiller: Schwarzseher und Marktdesigner

Robert J. Shiller: Schwarzseher und Marktdesigner

Es gebe so viele andere Ökonomen, die den Preis ebenfalls verdienten, sagt Shiller bescheiden. Tatsächlich ist er nicht der Einzige, der an diesem 14. Oktober 2013 angerufen wird. Mit ihm erhalten auch Lars Peter Hansen und Eugene Fama den Nobelpreis.

Diese Auswahl verwundert nicht wenige. Denn auf den ersten Blick stehen Shillers Studien im Widerspruch zu Famas Effizienzmarkttheorie. Die besagt, dass sich an den Kapitalmärkten sämtliche zu einem bestimmten Zeitpunkt vorhandenen handelsrelevanten Informationen in den Preisen der zu handelnden Vermögensgegenstände – Aktien und Anleihen – vollumfänglich widerspiegeln. Es ist daher unmöglich, durch eine auch noch so zeitaufwändige Auswertung von Informationen beständig einen Vorteil zu erzielen. Der Yale-Professor Shiller kommt dagegen zu dem Ergebnis, dass auf Finanzmärkten die beschriebene Informationseffizienz nicht immer voll und ganz gegeben ist. Der Immobilienmarkt und der Markt für sogenannte Mikrofinanzkredite sind hierfür gute Beispiele.

Die Erkenntnisse der beiden Forscher stehen aber nicht – wie man zunächst vermuten würde – im Widerspruch zueinander. Kapitalmärkte mögen zwar nicht perfekt effizient sein, daraus folgt aber nicht, dass sich mit Market Timing und Stock Picking der Markt schlagen lässt. Beispielsweise hat Shiller nachgewiesen, dass die täglichen Bewegungen an den Aktienmärkten viel höher ausfallen, als dies in einem effizienten Markt der Fall sein dürfte. Ob ein Anleger nun aber ein- oder aussteigen soll, lässt sich aus dieser Erkenntnis nicht ableiten. Wie auch Fama empfiehlt Shiller deswegen Privatanlegern kostengünstige, passive Indexfonds, wie sie bei quirion ausschließlich zum Einsatz kommen.

„Ineffiziente Märkte brauchen nicht nur Grenzen, sondern auch Innovation.“

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Nicht für kurzfristige Spekulationen geeignet

Shiller stammt aus Detroit und begann seine wissenschaftliche Karriere 1972 mit einem Doktortitel am Massachusetts Institute of Technology. Seit 1980 ist er Mitglied des National Bureau of Economic Research. Der führende Immobilienindex in den USA, der Case-Shiller Home Price Index, ist nach dem heute 71-jährigen Ökonomen benannt. Die breite Aufmerksamkeit zog Shiller im Jahr 2000 mit seinem auf dem Höhepunkt der New-Economy-Euphorie erschienenen Buch „Irrationaler Überschwang“ auf sich. Die in dem Bestseller aufgestellten Thesen bewahrheiteten sich kurz darauf in der Baisse der Jahre bis 2003.

Auch auf die drohende um 2007 geplatzten Immobilienblase in den USA wies er frühzeitig hin. Seine Kritiker wenden allerdings ein, dass Shiller etwa vor der New-Economy-Blase bereits 1996 - und damit viel zu früh - warnte. Wer ihm bereits damals gefolgt war und aus dem Aktienmarkt ausstieg, hätte die folgenden Kurssteigerungen verpasst und sich insgesamt schlechter gestellt, als bei stetigem Festhalten an seinen Aktien. Shiller selbst gibt zu, dass seine Modelle sich in der Regel nicht für kurzfristige Spekulationen eignen, sondern lediglich Bewertungstrends identifizieren, die jahrzehntelang andauern können.

Während Shiller von Börsianern wegen seiner Weitsicht Dr. Doom genannt wird, bezeichnet er sich selbst lieber als Marktdesigner. Er will verstehen, wie Volkswirtschaften in Krisen geraten. Sein Terrain sind die oben beschriebenen ineffizienten Finanzmärkte. Solche Märkte brauchen nicht bloß gesetzliche Grenzen, sondern Innovation, sagt er. Shiller geht es darum, etwa mit neuen Kennzahlen Licht ins Dunkel zu bringen und die Marktteilnehmer genauso wie die Gesellschaft insgesamt in die Lage zu versetzen, ihre Risiken besser einschätzen zu können. Als Mitbegründer der sogenannten Behavioral Finance versucht er, irrationale Übertreibungen und Formen von menschlichem Fehlverhalten bei der Gestaltung von Märkten zu berücksichtigen.

Warum er die Wirtschaft für sich entdeckt hat? „Wenn man Mathe liebt und nah an den Menschen sein will wie ich, geht man in die Ökonomie“, sagt Shiller.

Dieser Artikel ist Teil unserer Serie „Experten der Finanzwirtschaft“. In der Reihe sind bereits erschienen:

Teil 1: Eugene Fama
Teil 2: Daniel Kahneman
Teil 3: Harry Markowitz

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