Unberechenbare Politik: Gefahr für die Märkte?

Unberechenbare Politik: Gefahr für die Märkte?

Trumps ständig wechselnde Drohungen und Interventionen, dazu überraschende Neuwahlen in Japan: Politisch haben sich die Ereignisse im Januar überschlagen. Zeitweise hat das auch die Märkte nervös gemacht. Ein Blick auf die Folgen für Anlegerinnen und Anleger.

Das Schema ist schon bekannt: Als US-Präsident Donald Trump acht europäischen Ländern mit Strafzöllen drohte, um ihren Widerstand gegen die angestrebte „Übernahme“ von Grönland zu brechen, kam es erst mal zu Kursverlusten in den USA und in Europa. Als Trump die Drohung wieder zurücknahm, ging es zumindest an den Aktienmärkten schnell wieder nach oben. Auch wenn noch gar nicht klar war, wie es in der Grönland-Frage weitergeht. Medien und Märkte wendeten sich schnell wieder anderen Themen zu.  

Der Blick richtete sich unter anderem auf Japan, wo Premierministerin Sanae Takaichi für den 8. Februar überraschend Neuwahlen ansetzte. Sie möchte sich eine parlamentarische Mehrheit sichern, um die Steuern zu senken und gleichzeitig massive Investitionen anzustoßen. Der japanische Aktienmarkt reagierte zwar zunächst positiv. Doch weil Japan gemessen am BIP schon jetzt eine immens hohe Schuldenquote hat, brachen die Kurse japanischer Staatsanleihen ein. Deren Renditen stiegen deutlich.  

So mancher befürchtet, dass die Auflösung sogenannter Carry Trades mal wieder zum Belastungsfaktor werden könnten. Der Hintergrund: „In Japan lag der Zins besonders lange nahe der Nulllinie. Einige Investorinnen und Investoren haben sich deshalb dort Geld geliehen und es in höher rentierliche US-Anleihen gesteckt“, erläutert Philipp Dobbert, Chefvolkswirt bei quirion und bei der Quirin Privatbank. „Die Wette ist dann irgendwann auf die Aktienmärkte übergeschwappt. Manche haben sich in Yen verschuldet und auf Pump zum Beispiel in große Tech-Aktien aus den USA investiert.“

Druck auf dem Dollar

Ungeachtet dessen erreichten die Kurse im amerikanischen S&P 500 Ende Januar wieder ein neues Rekordniveau. Allerdings sackte gleichzeitig der US-Dollar nochmals ab. Wenig hilfreich waren Bemerkungen Trumps, er finde den Dollarkurs „großartig“ und könne ihn „wie ein Jojo auf und ab gehen lassen“. Doch die Kurse an den Devisenmärkten werden nicht im Weißen Haus bestimmt. Sehr relevant für die Devisenmärkte ist allerdings, was bei US-Staatsanleihen passiert. Auf denen lastete Verkaufsdruck, was die Renditen deutlich steigen ließ. Eine Flucht aus US-Staatsanleihen ist ganz und gar nicht im Interesse der US-Regierung.

„Ich denke, die US-Regierung weiß, dass es für sie sehr teuer werden kann, wenn sie Vertrauen am Anleihemarkt verspielt“, stellt Dobbert fest. Im April vergangenen Jahres haben die Anleihemärkte Trump bewegt, seinen politischen Kurs anzupassen. Damals ging es darum, teilweise absurde Zollforderungen zu mäßigen. „Es hat sich jedenfalls gezeigt, dass der Markt den politischen Handlungsspielraum beschränken kann.“ Zwar wünscht sich Trump einen schwachen Dollar, um US-Exporte attraktiver zu machen. Aber wegen der Schuldenlast der USA ist er an möglichst niedrige Zinsen und Anleiherenditen interessiert.

Unterdessen hat Trump seinen Kandidaten für die Nachfolge von Fed-Chef Jerome Powell benannt. Kevin Warsh soll sein Amt Mitte Mai antreten. Der 55-jährige Ökonom ⁠war Investmentbanker, wirtschaftlicher Berater von George W. Bush und hat auch schon einige Jahre für die US-Zentralbank gearbeitet. Zwar galt er damals als Befürworter einer restriktiven Geldpolitik, hatte sich jüngst jedoch hinter die Forderungen von Trump gestellt. Der hat mit wiederholten Attacken gegen Powell versucht, die Fed zu schnelleren und umfangreicheren Zinssenkungen zu bewegen. „Es war sehr wichtig, dass die US-Notenbank der scharfen Kritik aus dem Weißen Haus nicht nachgegeben hat“, betont Dobbert. „Die Unabhängigkeit der Fed muss gewahrt bleiben.“  

Kongresswahlen und Supreme-Court-Urteil

Ob Trump politisch noch lange so aggressiv und autark agieren kann wie bisher, dürfte sich spätestens im November zeigen. Denn dann stehen in den USA Zwischenwahlen an, bei denen sich die Mehrheitsverhältnisse im Kongress ändern könnten. „Im Wahlkampf wird vermutlich die nach wie vor hartnäckige Inflation in den USA ein großes Thema sein“, unterstreicht Dobbert. Und steigende Importpreise – ob durch Zölle oder einen schwachen Dollar – können die Inflation verstärken.

Außerdem steht noch eine Grundsatzentscheidung des Supreme Courts zu Trumps Zollpolitik aus. Die könnte für gewaltigen Wirbel sorgen. Die US-Regierung umging bei ihrer aggressiven Zollpolitik bislang den Kongress. Sie berief sich auf ein Notstandsgesetz aus dem Jahre 1977. Das Gericht könnte diese Argumentation ablehnen oder nur eingeschränkt anerkennen, zum Beispiel für weitere Anwendungen limitieren. Die Folgen wären kaum abzusehen.

Bloß nicht spekulieren

Für die Anlagestrategie bedeuten Unsicherheiten wie diese aber gerade nicht, sich immer wieder neu auf die aktuelle Nachrichtenlage oder kurzfristige Trendwechsel einzustellen. „Es ist viel zu riskant, auf einen bestimmten Verlauf der Ereignisse zu spekulieren“, warnt Dobbert. Dass es anders kommen kann als zuvor gedacht, hat sich im vergangenen Jahr wieder gezeigt. Darüber hinaus war die Entwicklung ein weiterer Beleg dafür, dass sich sowohl die Märkte als auch die Weltwirtschaft auf neue Rahmenbedingungen einstellen können.

Ratsam sei weiterhin, das Portfolio weltweit möglichst breit aufzustellen. Und investiert zu bleiben, selbst wenn die Kurse zwischendurch stärker schwanken. „Langfristig geht es an den Aktienmärkten aufwärts, weil die Weltwirtschaft auf Wachstum ausgelegt ist“, erklärt Dobbert. „An diesem fundamentalen Zusammenhang hat sich durch die jüngsten Entwicklungen nichts verändert.“  

Warum Prognosen bei der Geldanlage nichts bringen, erfährst du hier.

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