Was (auch) 2026 für die Geldanlage wichtig ist

Was (auch) 2026 für die Geldanlage wichtig ist

Wir stützen unsere Anlagestrategie zwar nicht auf Prognosen. Doch kann es nützlich sein, sich von Zeit zu Zeit die Rahmenbedingungen für die Geldanlage vor Augen zu führen – schon um sich von den oft aufgeregten Schlagzeilen in den Medien nicht nervös machen zu lassen.

Das neue Jahr begann an mehreren Aktienmärkten gleich mal mit neuen Rekorden. Dabei reichte sowohl im amerikanischen S&P 500 als auch im DAX ein kleines Plus, um die Indizes auf neue Allzeithochs zu schieben. Auf hohem Niveau bewegen sich die Kurse an diesen Märkten nun schon eine ganze Weile.

Anders als das die meisten erwartet hatten, bewiesen die Börsen in den vergangenen Monaten große Widerstandskraft. Die Verunsicherung über die Mega-Zölle von US-Präsident Donald Trump, die phasenweise zu heftigen Kursturbulenzen geführt hatte, war schnell überwunden. Viele Börsenindizes auf der ganzen Welt zeigten 2025 unter dem Strich erneut eine überdurchschnittlich gute Performance.

Auf Währungssicherung verzichten

Ein Wermutstropfen für Anlegerinnen und Anleger aus Europa war die Dollarschwäche. Die führte dazu, dass sich die Stärke von US-Aktien in ihren Portfolios nicht vollständig widerspiegelte. „Allerdings bedeutet das nicht, dass man ein globales Aktienportfolio besser gegen Währungsschwankungen absichern sollte“, so Arndt Kussmann, Leiter Investmentkommunikation und Analyse bei quirion und der Quirin Privatbank. Dagegen sprächen zum einen die hohen Kosten. Zum anderen hätten Anlegerinnen und Anleger in Vorjahren oft von der Stärke des Dollar zusätzlich profitiert. „Positive und negative Währungseffekte nivellieren sich über die Zeit. Unter dem Strich lohnt sich die Absicherung langfristig nicht.“

Hohe Bewertungen, mäßiges Wirtschaftswachstum

Was die Ausgangslage für die kurzfristige Entwicklung betrifft, gibt es Licht und Schatten. Das Bewertungslevel an den Aktienmärkten ist schon länger recht hoch. In vielen Kursen sind bereits relativ starke Gewinnsteigerungen eingepreist. „Das erhöht das Risiko für Enttäuschungen und Kurskorrekturen“, erklärt Kussmann.

Dazu kommt, dass die Wachstumserwartungen für die Wirtschaft eher mäßig ausfallen. „Die Konjunkturentwicklung in den Industrienationen – allen voran in Europa und Deutschland – liegt unter dem zehnjährigen Durchschnittswert“, stellt Kussmann fest. Allerdings: Die Schwäche der Industrieländer und Chinas dürfte nach seiner Einschätzung teilweise von der Stärke einiger Schwellenländer aufgefangen werden. „Die Aussichten für die Weltwirtschaft sind zwar nicht blendend. Aber aktuell geht von dieser Seite auch kein gravierdendes Risiko aus.“

Bewegung bei der US-Zollpolitik?

Bei einem der großen Aufreger des Jahres 2025 – der Zollpolitik Trumps – sieht Kussmann Potenzial für eine leichte Entspannung. Aktuell sind die US-Importzölle so hoch wie seit den 1930er-Jahren nicht mehr. „Zölle sind für Trump vor allem ein Druckmittel, um politische Ziele durchzusetzen“, stellt Kussmann fest.

Doch die Zölle erhöhen in den USA auch die Gefahr einer zunehmenden Inflation, die sich dort ohnehin hartnäckig auf hohem Niveau hält. „Die Teuerung dürfte eines der großen Themen vor den Midterm-Wahlen Anfang November werden. Das könnte Trump veranlassen, die Zölle zumindest teilweise zu senken.“

Zinspolitik im Blick

Besonders aufmerksam wird in diesem Jahr darüber hinaus die Zinspolitik der US-Notenbank verfolgt. „Zu hohe Inflation, eine Abschwächung der Konjunktur – und dann ab Juni ein neuer Chairman an der Spitze der Fed: Die Gemengelage ist sehr komplex“, sagt Kussmann. „Bislang hat die US-Notenbank den Forderungen Trumps nach einer allzu lockeren Geldpolitik standgehalten. Die Frage ist, ob das weiterhin der Fall sein wird.“

Die Europäische Zentralbank hat nach Meinung von Kussmann bei ihren Zinssenkungen das Ende der Fahnenstange erreicht. „Wenn vonseiten der Inflation oder der Geopolitik böse Überraschungen ausbleiben, dürfte der Leitzins für längere Zeit auf dem aktuellen Niveau verharren.“

Emissionswelle an den Anleihemärkten

Impulse für den Anleihemarkt erwartet Kussmann unter anderem von einer Emissionswelle 2026 und darüber hinaus. Großen Refinanzierungsbedarf gibt es sowohl von Staaten als auch von Unternehmen. Bei Letzteren hängt das vor allem mit den immensen Investitionen im Bereich Künstlicher Intelligenz zusammen. „Im Wettlauf um die Gunst der Investoren müssen die Anleiheemittenten attraktive Konditionen bieten“, erwartet Kussmann. „Das birgt die Gefahr anziehender Renditen und dementsprechend fallender Kurse, speziell bei längeren Laufzeiten.“

Dabei beurteilt Kussmann das mittlerweile spürbar erhöhte Renditeniveau grundsätzlich positiv. „Dass Bonds seit der Zinswende 2022 wieder einträglicher sind, ist vor allem für Portfolios mit hohen Anleihequoten positiv.“ Dabei haben Anleihen in den Portfolios von quirion vor allem die Funktion, Kursschwankungen des Aktienanteils abzufedern.

Zentraler Renditelieferant sind Aktien. Denn der Trend an den Aktienmärkten ist langfristig aufwärtsgerichtet. „Aktien sind produktives Kapital, mit dem Werte geschaffen werden“, unterstreicht Kussmann. „Einen so fundamentalen Zusammenhang mit wirtschaftlichem Wachstum kann keine andere Anlageklasse vorweisen.“

Langfristig investiert bleiben

Für das Anlagejahr 2026 wird erneut wichtig sein, bei kurzfristigen Schwankungen nicht nervös zu werden. „Der nächste Crash kommt ganz bestimmt. Nur keiner weiß, wann genau. Allerdings in der Regel nicht dann, wenn er lang und breit in den Medien angekündigt wird“, betont Kussmann.

Wer seine Anlageziele erreichen will, sollte sich ohnehin nicht auf wacklige Prognosen stützen. Niemand kennt die Zukunft. Die Entwicklung im vergangenen Jahr habe deutlich vor Augen geführt, wie rasch sich das Blatt in die eine oder andere Richtung wenden kann. Mit Überraschungen ist jederzeit zu rechnen. Ein wesentlicher Faktor für den Anlageerfolg bleibt deshalb, einer fundierten Anlagestrategie treu zu bleiben, die sich von Spekulationen fernhält. „Der sinnvollste Weg der Geldanlage ist ein diversifiziertes Weltportfolio, das auf die persönlichen Ziele ausgerichtet ist und in dem man langfristig investiert bleibt.“

Unseren ausführlichen Marktausblick gibt es hier.

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