Anlagejahr 2025: Das hat viele überrascht

Anlagejahr 2025: Das hat viele überrascht

Prognosen bringen nichts für die Anlagestrategie. Denn oft kommt es ganz anders, als man sich das in den Jahresausblicken ausgemalt hatte. Das hat sich auch 2025 wieder gezeigt. Ein Rückblick auf fünf Entwicklungen, die sich so nicht voraussehen ließen.

1) Die neuen Regeln im Welthandel

Dass eine restriktive Zollpolitik auf der Agenda von US-Präsident Donald Trump steht, war schon vor seinem Amtsantritt klar. Doch was dann wirklich passierte, hatte wohl kaum jemand auf der Rechnung. Teilweise absurd hohe Zollankündigungen versetzten die ganze Welt in Angst und Schrecken. Immer wieder kamen aus dem Weißen Haus neue Forderungen. Wobei oft unklar blieb, was ernst gemeint und was reine Drohkulisse war.

Zölle bremsen den Welthandel. Weder für die Wirtschaft noch für die Märkte sind sie positiv. „Neue Zölle bedeuten immer Wohlstandsverluste für alle Beteiligten“, unterstreicht Philipp Dobbert, Chefvolkswirt bei quirion und bei der Quirin Privatbank. Allerdings: „Donald Trump hat Zölle nicht erfunden.“ Zwar seien die US-Importzölle teilweise so stark gestiegen wie seit den 1930er-Jahren nicht mehr. „Aber der Welthandel ist sehr anpassungsfähig.“

2) Die Widerstandskraft der Märkte

Nach zwei außergewöhnlich guten Aktienjahren hatten viele Ende 2024 darauf spekuliert, dass es 2025 zu einem stärkeren Einbruch kommt. Mit Trumps Zollchaos und hektischen Marktreaktionen schienen sich die Befürchtungen zu bestätigen. Doch wieder mal kam es anders als gedacht. „Die außergewöhnlich gute Performance an vielen Börsen weltweit ist für mich eine der größten Überraschungen des Jahres 2025“, stellt Dobbert fest. „Zu Nervosität führte in den ersten Monaten vor allem die große Unsicherheit. Doch dann demonstrierten die Märkte ihre Widerstandskraft.“

Überraschend robust entwickelten sich aber nicht nur die Kurse. Sondern auch die Konjunktur in der weltgrößten Volkswirtschaft – trotz hartnäckiger Inflation und der Verunsicherung über den politischen Kurs von Trump. „Eigentlich hatten die meisten längst mit einer ausgeprägten Schwäche der US-Wirtschaft gerechnet“, erläutert Dobbert.

Widerstandskraft bewies darüber hinaus Fed-Chef Jerome Powell. „Es war beachtlich und sehr wichtig, dass die US-Notenbank der scharfen Kritik aus dem Weißen Haus nicht nachgegeben und ihre Unabhängigkeit gewahrt hat.“

3) Der Wermutstropfen „Dollar-Schwäche“

Der kräftige Aufschwung am US-Markt hat sich in den Portfolios von Anlegerinnen und Anleger aus dem Euroraum allerdings nicht ganz so deutlich niedergeschlagen. Grund ist die Schwäche des US-Dollars. „Dass der Euro im Verhältnis zum Dollar unterbewertet war, hat man an ökonomischen Kennzahlen schon länger ablesen können“, konstatiert Dobbert. „Aber den Zeitpunkt der Korrektur hat man natürlich nicht voraussehen können.“ Auch Geschwindigkeit und Ausmaß seien überraschend gewesen.

Wie andere Kursveränderungen sind Währungsbewegungen von zahlreichen Faktoren abhängig und nicht verlässlich prognostizierbar. „Wir sichern unsere Aktienportfolios deshalb nicht gegen Währungsschwankungen ab.“ Weil man nie treffsicher sagen könne, wann und wie stark sich die Wechselkurse verändern, müsste man eine Währungsabsicherung dauerhaft einrichten. „Die Kosten würden die Rendite also dauerhaft belasten. Und das Portfolio würde nicht von Währungsgewinnen profitieren, was in der Vergangenheit oft der Fall war.“

4) Das Wechselspiel der Favoriten

Lange hat die Performance der US-Börsen die vieler anderer Märkte überstrahlt. Doch in den ersten Monaten sind US-Aktien zeitweise ins Hintertreffen geraten. Reflexhaft wurde in den Medien diskutiert, ob man nun mehr Gewicht zum Beispiel auf Europa legen oder den US-Markt erst mal ganz meiden soll. „Viele schienen sich schon sicher zu sein, dass die US-Dominanz an den Aktienmärkten zu Ende geht“, stellt Dobbert fest.

Davon aber kann keine Rede sein. Der (ge)wichtigste Aktienmarkt der Welt gehört unbedingt in ein breit gestreutes Portfolio. Auch wenn mal die eine und mal die andere Region die Nase vorne hat: „Man sollte nicht versuchen, kurzfristigen Trends hinterherzujagen“, sagt Dobbert. „Solche Spekulationen sind unnötig riskant und man verpasst eine Menge Renditechancen.“ Mit einer möglichst systematischen Diversifikation macht man sich dagegen unabhängig von riskanten Spekulationen und wackligen Prognosen.

5) Die Wertentwicklung von Bitcoin und Gold

Bitcoin und anderen Kryptowährungen wurde für 2025 großes Potenzial vorausgesagt. Schließlich zog mit Donald Trump im Januar ein bekennender Kryptofan ins Weiße Haus ein. Der Bitcoin schaffte es vorübergehend auf einen Kurs von über 100.000 Euro. Doch im letzten Quartal des Jahres sackte er wieder einmal heftig ab, stellenweise auf unter 80.000 Euro. „Die Entwicklung von Kryptowerten basiert auf reiner Spekulation“, unterstreicht Dobbert. „Anders als bei Aktien ist sie nicht an Wertschöpfung gebunden. Deshalb dürften extreme Preisschwankungen weiterhin auf der Tagesordnung stehen.“

Stabiler aufwärts – und das überraschend kräftig – ging es bei Gold. Das liegt vor allem daran, dass Notenbanken schon seit einiger Zeit ihre Bestände erhöhen, um sich vom US-Dollar unabhängiger zu machen. Und daran, dass die Aufwärtsbewegung selbst die Nachfrage nährt. „Der Trend ist kein Zeichen neu entdeckter Werthaltigkeit des Edelmetalls“, erklärt Dobbert. „Einen ökonomischen Grund für langfristig steigende Goldpreise gibt es weiterhin nicht, denn anders als bei Aktien stellt in Gold investiertes Geld kein produktives Kapital dar.“

Ob Gold oder Kryptowerte: „Investieren sollte man nur mit hohem Risikobewusstsein“, rät Dobbert. „Und mit einem sehr kleinen Teil des Vermögens.“ Für den Vermögensaufbau seien Aktien unverzichtbar – auch 2026 und darüber hinaus. „Keine andere Anlageklasse kann einen so engen Zusammenhang mit wirtschaftlicher Wertschöpfung vorweisen wie diese.“

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