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Der Zertifikate-Schmu

Der Zertifikate-Schmu

Wir sind auf dem Nachrichtenportal Finanz-Szene.de jüngst über eine kleine Recherche des Finanzjournalisten Christian Kirchner gestolpert, der dort über den Sinn und Unsinn des Zertifikatevertriebs berichtet. Mittlerweile ist dieser Markt in Deutschland auf ein Volumen von 70 Mrd. Euro angeschwollen. Zum Hintergrund: Die Wertentwicklung von Zertifikaten hängt von der Entwicklung anderer Finanzprodukte ab. Wie mit einem Fleischwolf zerlegen Banken die Zahlungsströme bestehender Standard-Aktien und -Anleihen, und rühren die Einzelteile für den Weiterverkauf zu neuen Produkten zusammen. Der Sinn des Ganzen:

  1. Es lässt sich ein netter Zinssatz auf das Produkt schreiben – beispielsweise 10 %. Das klingt für den ahnungslosen Anleger nach einem tollen Geschäft. Dass dieser Zins aber in keiner Weise garantiert, sondern nur in bestimmten Marktszenarien gezahlt wird, dürfte dem Anleger häufig nicht bewusst sein. Unter bestimmten Bedingungen, häufig wenn es schlecht läuft, „springt“ das Zertifikat hingegen in den Aktienmodus und reicht dann den gesamten Verlust der zugrundeliegenden Aktie an den Anleger durch.
  2. Es lohnt sich für die Bank I. Die Kosten sind bei Zertifikaten nicht transparent, sondern werden im Rahmen der Fleischwolfaktion von der Bank abgezweigt. Wer im Kleingedruckten recherchiert, findet erschreckende Kosten von 2,9 % oder sogar 4,9 % im ersten Jahr der Anlage.  Zum Vergleich: Bei quirion lassen sich 30.000 Euro zu Gesamtkosten von 0,53 % p. a. anlegen. Wer ein Zertifikat erwirbt, zahlt also sage und schreibe 5- bis 9mal mehr als bei uns – für Hack statt für Filet.
  3. Es lohnt sich für die Bank II. Ja – das mussten wir genauso wiederholen: Wer ein Zertifikat bei einer Bank kauft, leiht der Bank Geld, das im Insolvenzfall – anders als bei einer Investition in klassische Fonds oder ETFs – nicht geschützt ist. Die Bank kann Risiken aus im Eigenbestand gehaltenen Wertpapieren an den Kunden weiterreichen, das Geld des Kunden für eigene Geschäfte nutzen und verlangt zudem noch eine saftige Gebühr. Der Zertifikateverkauf lohnt sich also nicht nur doppelt, sondern sogar dreifach.
  4. Zertifikate schaffen Beratungsbedarf. Zertifikate haben nur ein sehr begrenztes Haltbarkeitsdatum und laufen in schöner Regelmäßigkeit aus. Das frei gewordene Geld muss dann wieder neu investiert werden, mit Hilfe des Beraters und zu den oben bereits erwähnten Kosten.

Die Zusammenfassung der Zusammenfassung: Zertifikate sind intransparent und (ver)bergen gleich in mehrfacher Hinsicht Risiken. Sie können bereits konstruktionsbedingt keine attraktiven Renditen liefern, sondern verpacken die Renditen des Kapitalmarkts lediglich um – gegen eine Gebühr, die einen Großteil der Kapitalmarktrendite auffressen dürfte. Zertifikate sind deshalb für einen erfolgreichen Vermögensaufbau vollkommen ungeeignet. Ihren Einsatz für die Depots unserer Kunden schließen wir daher grundsätzlich aus.

PS: Wer den zitierten Bericht im Original lesen möchte, findet ihn hier.

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