Investieren„wie die Reichen“: So oder ähnlich wird für sogenannte ELTIFs geworben. In denen stecken alternative Investments wie Private Equity. Was sich hinter den vielen Schlagworten verbirgt, erklärt unser Chefvolkswirt Philipp Dobbert.
Schon seit Monaten werden ELTIFs kräftig promotet, sehr oft in Verbindung mit Private Equity. Worum geht es dabei überhaupt?
Equity bedeutet Eigenkapital. Es geht also um Unternehmensbeteiligungen. Aktien sind „Public Equity“, weil sie an öffentlichen Handelsplätzen verfügbar sind. Bei „PrivateEquity“ handelt es sich um nicht-öffentliche Beteiligungen, also um Unternehmen, die nicht an einer Börse notiert werden. Die waren lange Zeit vor allem institutionellen Investoren vorbehalten, zum Beispiel speziellen Private-Equity-Fonds. Wer daran partizipieren wollte, musste viel Geld mitbringen.
Das hat sich 2024 geändert, nach der Reform der sogenannten „European Long-Term Investment Funds“ – kurz ELTIFs. Das sind Anlagevehikel, über die man inzwischen auch als Privatanleger relativ leicht unter anderem in Private Equity investieren kann. Die Zahl der Produkte ist in jüngster Zeit stark gewachsen. Dabei geht die Bandbreite dessen, was in ELTIFs steckt, zwar über Private Equity hinaus. Doch mit dem Schlagwort lassen sich Produkte sehr gut vermarkten.
Es heißt, dass sich mit Private Equity höhere Renditen erzielen lassen als mit Aktien …
So pauschal stimmt das nicht. Auch wenn einige aus der Branche das gerne erzählen. Zum einen kann man sich bei einem Vergleich der Wertentwicklung den Zeitraum immer so aussuchen, dass er zur gewünschten Aussage passt. Zum anderen sind die Methoden der Renditeberechnung bei Private Equity sehr kompliziert und vielfältig.
Bei Aktien werden laufend Kurse gestellt, da ist die Wertentwicklung transparent. Bei der Wertberechnung von Private Equity gibt es eigentlich immer einen gewissen Interpretationsspielraum. Wenn man etwas über die Performance von Private Equity hört, muss man sich deshalb immer fragen: Sind das tatsächlich Renditen, die bei den Investoren angekommen sind? Wenn man die teilweise astronomischen Kosten berücksichtigt, sind die Renditen im Großen und Ganzen nicht signifikant höher als bei einem breit gestreuten Aktieninvestment. Selbst wenn einzelne Private-Equity-Fonds mit ihrer Performance mal herausstechen: Es gibt keine herausragenden Renditen, nur weil ein Produkt das Label „Private Equity“ trägt. Die Risiken sind aber in jedemFall viel größer.
Risiken gehe ich am Aktienmarkt ebenfalls ein. Warum ist Private Equity riskanter?
Wie groß das Risiko am Aktienmarkt ist, hängt von der Anlagestrategie ab. Wer unnötige Risiken vermeiden will, setzt auf eine möglichst breite Streuung abseits aller Spekulationen und Prognosen. Wir zielen mit unserem globalen ETF-Portfolio auf die langfristigen Durchschnittsrenditen der weltweiten Aktienmärkte. Eine solche Strategie steht dem Ansatz von Private Equity komplett entgegen. Denn der dreht sich um eine enge und hochspekulative Auswahl von Unternehmen. Wobei sich diese meist auf eine bestimmte Unternehmenssituation bezieht.
An einem Ende des Spektrums steht Venture Capital. Das ist Wagniskapital für Unternehmen, die gerade erst entstehen. Am anderen Ende steht „Distressed Capital“, also Kapital für Unternehmen in der Krise. In jedem Fall sind die Wetten höchst riskant. Einzelne Beteiligungen können komplett ausfallen, das passiert häufig. Und Private-Equity-Fonds streuen kaum, investieren vielleicht in 10 oder 20 oft recht ähnliche Unternehmen. Selbst Dachfonds, die in mehrere Private-Equity-Fonds investieren, schaffen es selten über eine Schwelle von 1.000 Unternehmen. Zum Vergleich: Unser globales Portfolio beteiligt über ETFs an rund 8.000 Aktien.
Trifft das, was für Private-Equity-Fonds gilt, auch auf ELTIFs zu?
Die Strukturen unterscheiden sich teilweise, haben aber viele Parallelen. ELTIFs können ganz unterschiedliche Schwerpunkte haben. Neben Private Equity zum Beispiel Infrastruktur. Oder Private Debt. Darunter versteht man private Kredite abseits des Bankensektors.
Dabei sind die Kosten bei ELTIFs für Private Equity besonders hoch. Die laufenden Managementgebühren liegen meist zwischen 1,25 und 2,5 Prozent. Dazu kommen häufig Ausgabeaufschläge von bis zu 5 Prozent. Und Erfolgsprämien von 15 bis 20 Prozent, falls die Rendite einen Schwellenwert überschreitet. Und die Kosten sind nicht die einzige Hürde.
Welche Hürden gibt es noch?
Geschlossene ELTIFs haben feste Laufzeiten von bis zu 30 Jahren. Auch bei offenen ist man in der Regel an gewisse Mindesthalte- und Kündigungsfristen gebunden. Um die Rückgabe von Anteilen zu ermöglichen, müssen diese Fonds einen dicken Liquiditätspuffer vorhalten. Schließlich kommen die Fonds aus ihren langfristig angelegten Beteiligungen nicht auf die Schnelle heraus.
Wenn aber zum Beispiel 20 Prozent des Kapitals nicht investiert werden, um eine möglichst zeitnahe Rückgabe von Anteilen zu ermöglichen, wirft ein nicht unerheblicher Teil des Kapitals keine Rendite ab. Sehr hohe Kosten, zweifelhafte Renditeaussichten und sehr hohen Risiken – keine gute Kombination.
Häufig heißt es, mit ELTIFs könne man investieren „wie die Reichen“. Warum legen die denn ihr Geld in Private Equity an?
Institutionellen Investoren geht es meistens um ein Abfedern von Kursschwankungen in anderen Teilen des Portfolios. Bei Aktien verändert sich der Wert laufend mit den Kursnotierungen. Bei Private Equity wird der Wert der einzelnen Beteiligungen nur selten ermittelt – und dann auf Basis interner Schätzungen. Rein mathematisch gibt es also weniger Volatilität.
Das Risiko bleibt trotzdem hoch. Das fällt aber in den riesigen Portfolios kaum ins Gewicht. Wenn man zum Beispiel über ein Anlagevermögen von 100 Milliarden Euro verfügt, kann man 50 Millionen in Private Equity stecken und riskiert dann nur 0,05 Prozent des Portfolios. Wenn man 10.000 Euro anlegen will und sich daran orientiert, läge der Private-Equity-Anteil bei 5 Euro. Es ist also kaum sinnvoll, solche Strategien einfach nachzuahmen.
Auch wenn der Nutzen fraglich ist, werden gerade immer mehr ELTIFs aufgelegt …
Ich vermute, dass die Produktschwemme zumindest teilweise etwas mit den Laufzeiten „klassischer“ Private-Equity-Fonds zu tun hat. In der Regel liegen die zwischen 10 und 12 Jahren. Meist mit einer Option auf Verlängerung von 2 bis 3 Jahren. Dann sollen eigentlich alle Beteiligungen aufgelöst sein, um die Investoren auszuzahlen.
Doch aus verschiedenen Gründen waren Private-Equity-Exits in den vergangenen Jahren schwierig. Da zeigen sich bis heute noch Folgen der Corona-Pandemie und der Zinswende, aber auch aktueller geopolitischer Spannungen. In dieser Situation kommen vielen Private-Equity-Fonds die neuen ELTIFs gerade recht: Sie können die Beteiligungen an diese weiterreichen und so ihr Exit-Problem lösen.
Was folgt daraus für Anlegerinnen undAnleger?
Dass sie vermutlich in sehr hoch bewertete Unternehmensbeteiligungen investieren, mit zweifelhaften Erfolgsaussichten. Ob einzelne ELTIFs eine Anlage wert sind, muss jeder für sich selbst entscheiden. Für den systematischen Vermögensaufbau bietet ein globales ETF-Portfolio aber ein sehr viel besseres Verhältnis von Renditechancen und Risiken – und das zu weitaus günstigeren Konditionen.
Mehr über den Vermögensaufbau mit unseren ETF-Portfolios erfährst du hier.
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