Wohin gehts nun mit den Zinsen?

Wohin gehts nun mit den Zinsen?

Seit Ausbruch des Irankriegs macht die Inflation wieder Schlagzeilen. Das Thema bewegt auch die Anleihemärkte und die Notenbanken. Viele fragen sich: Kommt die nächste Zinswende?

Endet der Irankrieg bald oder nicht? Die Spekulationen um eine Lösung des Nahostkonflikts treiben den Ölpreis mal in die eine und mal in die andere Richtung. Viele Aktienmärkte lässt das Wechselspiel inzwischen weitgehend kalt. Dort dominieren andere Themen. An den Märkten für Staatsanleihen dagegen haben Sorgen um ein steigendes Niveau der Verbraucherpreise im April und Mai die Kurse belastet und die Renditen phasenweise sprunghaft steigen lassen.

Die Inflation ist zurück in den Schlagzeilen. In Deutschland sind die Energiepreise im April zum Vorjahr um 10,1 Prozent nach oben geschnellt, nach einem Plus von 7,2 Prozent im März. Manche fühlten sich angesichts solcher Zahlen bereits an die Situation beim Ausbruch des Ukraine-Kriegs erinnert, als sprunghaft steigende Energiekosten eine breite Inflationswelle auslösten – gefolgt von einer dynamischen Zinswende.

„Aus heutiger Sicht halte ich eine Zinserhöhung im Juni für notwendig“, sagte EZB-Direktorin Isabel Schnabel am 21. Mai. Sie erklärte zwar, dass für die Geldpolitik Ausmaß und Dauer des Preisschocks entscheidend seien. Doch konstatierte sie auch: „Im historischen Vergleich ist dieser Schock sehr groß.“

Andere Ausgangslage als 2022

Selbst wenn die EZB einen Zinsschritt nach oben geht: Turbulenzen am Anleihemarkt wie bei der Zinswende 2022 sind nach Einschätzung unseres Chefvolkswirts Philipp Dobbert nicht zu befürchten. „Zwischen der damaligen und der heutigen Situation gibt es einen ganz wesentlichen Unterschied – nämlich das Ausgangsniveau“, erläutert der Ökonom. „Damals lagen zehn Jahre Null- und Minuszinsen hinter uns.“ Die dynamische Zinswende habe die ganze Zinslandschaft umgewälzt. „Nun bewegen wir uns auf einem normalisierten Zinsniveau.“

Dazu kommt: „Bislang zeigen sich deutliche Preissteigerungen fast ausschließlich bei der Energie“, stellt Dobbert fest. Und das Energiepreisniveau könne sich bei einer Lösung des Nahostkonflikts schnell wieder ändern. „Zu einem größeren Risiko für die Märkte wird die Inflation erst, wenn sich die Teuerung über einen Zeitraum von mehreren Monaten erheblich steigert und sukzessive immer mehr Segmente der Wirtschaft erfasst.“

Neuer Fed-Chef vor Bewährungsprobe

Auch in den USA ist die Inflation ein großes Thema – bei robustem Wirtschaftswachstum. „Der Tendenz nach spricht das eher für steigende als für sinkende Leitzinsen“, sagt Dobbert. Eine Herausforderung für den neuen Fed-Chef Kevin Warsh. Amtsvorgänger Jerome Powell wurde von Donald Trump laufend beschimpft und bedroht, weil er den Wünschen des US-Präsidenten nach Zinssenkungen nicht nachkam. Im April ließ Trump durchblicken, er wäre enttäuscht, wenn der von ihm nominierte neue Fed-Chef die Zinsen nicht sofort senken würde.

Warsh selbst hat stets betont, die Unabhängigkeit der Fed wahren zu wollen. Er gehörte dem Board of Governors der Fed schon von 2006 bis 2011 an. Damals zählte er zu den Vertretern einer restriktiven Zinspolitik. Andererseits wurden einige seiner jüngsten Äußerungen als Zeichen für eine mögliche Lockerung der Geldpolitik gedeutet – etwa sein Statement, dass die Verbreitung Künstlicher Intelligenz (KI) zu Wachstumsschüben führen könnte, ohne gleichzeitig die Inflation zu erhöhen.

„Als Notenbanker muss sich Warsh mit den möglichen Auswirkungen der KI auf die Wirtschaft beschäftigen“, unterstreicht Dobbert. „Ich kenne aber keinen Notenbanker, der ideologisch für steigende oder fallende Leitzinsen wäre.“ Selbst wenn einzelne Personen unterschiedliche geldpolitische Ansätze verträten, würden sich doch bei den Zinsentscheidungen alle an der Datenlage orientieren. „Davon gehe ich auch bei Warsh aus.“ Ohnehin entscheidet der Fed-Chef nicht allein über die Zinsen. Sondern der sogenannte Offenmarktausschuss (FOMC). Zu den 12 Mitgliedern gehört Powell weiterhin, bis Anfang 2028.

Spekulationsfrei anlegen, auch bei Anleihen

Anleihen nutzt quirion im Wesentlichen, um die Risiken des Aktienanteils in den individuellen Portfolios der Kundinnen und Kunden abzufedern. „Die Kursschwankungen insbesondere von Staatsanleihen aus Industrieländern fallen auch im aktuellen Marktumfeld wesentlich geringer aus als bei Aktien“, betont Dobbert.

An der Strategie für die Anleiheportfolios von quirion ändert sich durch die Zinsspekulationen nichts. „Wie bei Aktien arbeiten wir bei Anleihen auf eine möglichst breite Streuung hin und halten uns von Prognosen fern“, sagt Dobbert. Im vergangenen Jahr wurde das Anleiheportfolio neu strukturiert und in zwei Module aufgeteilt, in ein risikoreduzierendes und ein ertragsorientiertes. „In beiden haben wir die Aufstellung jüngst nochmals verfeinert – um das Verhältnis von Renditechancen und Risiken weiter zu optimieren.“

Was in unseren Portfolios steckt, erfährst du hier.

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