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Warum Anleger nicht nur auf die Volatilität schauen sollten

Warum Anleger nicht nur auf die Volatilität schauen sollten

Immer wieder gibt es an den Märkten Phasen von Euphorie. Mit den Notierungen steigen dann auch die Risiken. Doch mit geläufigen Risiko-Kennziffern lassen diese sich kaum entdecken. Prof. Dr. Stefan May, hat mit dem „Herdenrisiko“ und dem „realen Risiko“ nun Kennzahlen entwickelt, um die Gefahren sichtbarer zumachen. Im Interview erklärt unser Leiter des Anlagemanagements, warum diese Kennziffern den Wert der Diversifikation unterstreichen.

Die Volatilität gehört in der Geldanlage zu den häufig verwendeten Kennzahlen zur Risikomessung. Sie zeigt die Intensität von Kursschwankungen um einen Mittelwert an. Ist daran etwas falsch?

An der Kennzahl ist gar nichts falsch, wenn man sie richtig interpretiert. Sie erfasst bestimmte Risiken. Aber nicht alle. Nicht erfasst wird insbesondere das zunehmende Risiko aufgrund von Marktübertreibungen. Wir haben dieses Phänomen, das kaum jemand bestreitet, „Herdenrisiko“ genannt. Problematisch ist, wenn die Volatilität als Kennzahl verwendet wird, um eine Anlagestrategie daraus abzuleiten – also etwa den Aktienanteil eines Portfolios mit dem Steigen und Sinken der Volatilität zu steuern. Denn das Volatilitätsrisiko misst eben nur einen Teil des Gesamtrisikos.

Wie wirkt es sich denn aus, wenn man sich als Anleger an der Volatilität orientiert?

Das Phänomen kann jeder beobachten: Wenn die Kurse länger klettern, werden Anleger immer mutiger, gehen höhere Risiken ein und neigen zu Herdenverhalten. Oft konzentrieren sich Anleger dann in den Segmenten, in denen die Kurse besonders dynamisch steigen. Wird die Volatilität kurzfristig gemessen, sinkt sie aber gerade in diesen Phasen sehr deutlich. Die Kennzahl suggeriert also ein niedriges Risikolevel. Wenn die Kurse fallen, nehmen Anleger die Risiken wieder wahr und reagieren oft hektisch. Es kommt zu starken Verlusten in den zuvor von Euphorie getriebenen Segmenten. Die Volatilität steigt sprunghaft an. Wenn Sie Ihre Anlegestrategie an einer kurzfristig gemessenen Volatilität orientieren – und das ist gar nicht so selten – handeln sie immer prozyklisch. Sie laufen genau ins Herdenrisiko. Wir haben dafür eine Kennzahl ausgearbeitet. Zusammen mit der Volatilität lässt sich dann daraus das reale Risiko bestimmen.

 

Aber warum kann ich nicht einfach steigende Kurse mitnehmen, solange ein Trend anhält – und dann aussteigen, wenn die Kurse fallen?

Wenn das so einfach wäre. Empirische Erhebungen zeigen immer wieder, dass Anleger den Wiedereinstieg verpassen und dann unter dem Strich schlechter dastehen, als wenn sie investiert geblieben wären. Sie müssen zunächst einmal einen Ausstiegszeitpunkt bestimmen. Nehmen wir an, sie verkaufen, wenn die Kurse um 20 Prozent gefallen sind. Dann realisieren Sie möglicherweise schon einen Verlust. Wann steigen Sie wieder ein? Der ideale Zeitpunkt lässt sich nur im Nachhinein bestimmen! Markttiming, also der Versuch, den richtigen Ein- und Ausstiegszeitpunkt zu bestimmen, funktioniert nicht. Es gibt ganze Bibliotheken von Studien, die das belegen.

 

Was leistet die Kennzahl „Herdenrisiko“ in Ihrer Anlagestrategie?

Wichtig ist: Auch diese Kennzahl sagt nichts zum richtigen Ein- oder Ausstiegszeitpunkt. Wir leiten daraus keine Timing-Entscheidungen ab. Die Kennzahl kann aber einmal mehr zeigen, wie wichtig die Diversifikation des Portfolios ist. Gerade in Übertreibungsphasen an den Märkten werden die Grundregeln der Diversifikation häufig übersehen und missachtet. Das hängt mit der dann sinkenden Risikoaversion zusammen. Anleger konzentrieren sich noch stärker als sonst auf Renditevergleiche und investieren bevorzugt in Segmente, welche besonders gut gelaufen sind. Die Diversifikation wird dabei dann gerne vernachlässigt. Wir finden es daher sehr wichtig, die Vorteile der Diversifikation auch und besonders in solchen Marktphasen faktenbasiert vor Augen zu führen. Genau dies können wir mit unseren Kennzahlen „Herdenrisiko“ bzw. „reales Risiko“. Wir wollen sie künftig regelmäßig veröffentlichen, die Vorbereitungen dazu laufen.

 

Und wie sorgen Sie in den Portfolios für möglichst große Diversifikation?

Wir wollen jederzeit den gesamten internationalen Aktienmarkt so repräsentativ wie möglich abdecken. Es ist wissenschaftlich belegt, dass ein globales, so breit wie möglich gestreutes Portfolio jeder alternativen Anlagestrategie überlegen ist, insbesondere hinsichtlich seines Rendite-Risiko-Verhältnisses. Um diesem globalen Marktportfolio so nahe wie möglich zu kommen, setzen wir verschiedene Faktorindizes ein, die wir in einem aufwendigen Verfahren ermittelt haben.

Mehr zum Thema „Faktor-Indizes“ und wie quirion sie einsetzt, erklärt Prof. Dr. May an dieser Stelle.

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