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Was ist dran an Dividendenstrategien?

Was ist dran an Dividendenstrategien?

Dividenden sind eine potenzielle Ertragsquelle für Aktieninvestoren. Aber als Richtschnur für die Anlagestrategie eignen sie sich nicht, findet unser Senior Portfolio Manager Kai Hattwich. Im Interview erklärt er warum.

Gerade ist wieder Dividendensaison. Unternehmen mit hohen Ausschüttungen bekommen mehr Aufmerksamkeit. Welche Rolle spielen die in den Portfolios von quirion?

In unseren Portfolios mit über 8.000 Aktien finden sich auch viele Unternehmen, die eine hohe Dividende zahlen. Unternehmen mit hohen Dividenden haben in unserer Anlagestrategie aber keine Sonderstellung. Weder aus der Höhe der Dividende noch aus der Dividendenrendite – dem Verhältnis der Dividende zum Kurs – lassen sich „Aktientipps“ ableiten. Beides kann aber muss kein Anzeichen für besondere Profitabilität sein. Manchmal zahlen Unternehmen auch dann hohe Dividenden, wenn sich die Ertragslage verschlechtert. Das geht dann an die wirtschaftliche Substanz. Die Dividendenrendite wiederum steigt nicht nur, wenn sich die Dividende erhöht – sondern auch, wenn der Aktienkurs fällt.

Seit längerem heißt es öfter einmal, Dividenden seien der neue Zins. Was ist mit dem Vorteil laufender Erträge?

Wer solche Thesen aufstellt, vergleicht Äpfel mit Birnen. Dividenden gibt es bei Aktien, Zinsen bei Anleihen. Vom Risikoprofil sind beide grundverschieden. Anleihebesitzer dürfen sich mehr oder weniger sicher sein, nicht nur die Zinsen zu erhalten, sondern am Ende der Laufzeit auch die Rückzahlung des Anleihebetrags. Aktien funktionieren anders. Für zukünftige Ausschüttungen gibt es keinerlei Garantien. Die Kursentwicklung ist zentral. Grundlage für beides ist die Profitabilität der Unternehmen. Um bei einem Aktieninvestment ein ausgewogenes Verhältnis von Rendite und Risiko zu haben, ist breite Streuung nötig.

Und wenn man das Risiko über Dividenden-ETFs streut?

Das ist keine echte Streuung, denn das sind sehr eindimensionale Produkte. Dividenden-ETFs und die Indizes, auf denen sie basieren, haben sich in den vergangenen Jahren jedenfalls schlechter geschlagen als breiter aufgestellte Portfolios. Sie haben insgesamt ein schwächeres Rendite-Risiko-Profil.

Woran liegt das?

Zunächst: Mit dem Blick auf die Dividende orientiert man sich immer im Rückspiegel. Wenn sich die Aussichten eines Unternehmens eintrüben und sich das in schwächeren Kursen niederschlägt, bleibt die Aktie erstmal in den zugrundeliegenden Indizes. Im Hinblick auf die Streuung fehlen viele interessante Titel, etwa von kleinen und mittelgroßen Firmen. Darunter sind oft Wachstumstreiber, die keine „Dividendenstars“ sind. Auch zahlreiche Tech-Werte in den USA haben vergleichsweise geringe Dividendenrenditen. Solche Unternehmen investieren Gewinne eher, als sie auszuschütten. Darüber hinaus gibt es in Dividenden-ETFs bisweilen ein Übergewicht einzelner Sektoren, zum Beispiel der Energiebranche. Die war an den Märkten jüngst zwar gefragt, hat zuvor aber viele Talsohlen durchschritten. Energiewirtschaft ist eng mit Energiepolitik verknüpft und dadurch besonderen Risiken ausgesetzt. Eine neue Regulierung kann schnell Geschäftsmodelle in Frage stellen.

Manche Dividendenstrategien gehen selektiver vor, berücksichtigen zusätzlich etwa den Verschuldungsgrad oder den Geschäftsausblick. Ist das besser?

Es macht zumindest die Diversifizierung noch schwerer. Je mehr Filter ich nutze, desto weniger Unternehmen kommen für mein Investment in Frage. Ausgefeilte Dividendenstrategien, die weitere Selektionskriterien berücksichtigen, zielen noch stärker als Dividenden-ETFs in Richtung Einzelinvestment. Das erhöht die Risiken erheblich. Wir gehen grundsätzlich anders vor: Wir versuchen nicht einzelne Aktien aus dem Markt herauszufiltern, sondern möglichst alle relevanten Renditefaktoren der weltweiten Aktienmärkte zu nutzen.

Sind Dividenden denn kein Renditefaktor?

Nein. In der Wissenschaft ist das Thema Dividende längst abgehakt. Die Tatsache, dass sich nicht nur ein einzelner Dividendenindex, sondern gleich ein ganzes Bündel über ein Jahrzehnt schlechter entwickelt als der breitere Markt, ist die quantitative Widerlegung des „Dividenden-Narrativs“. Dessen Vertreter erwähnen oft nur die Trades, die sich gut entwickelt haben. So entsteht der Eindruck, Dividendenstrategien wären besonders lohnenswert. Wenn man sich aber die Dividendenindizes anschaut, dann sieht man das Ergebnis einer systematischen Anwendung des Auswahlkriteriums Dividende auf den Aktienmarkt – einschließlich der unangenehmen Entwicklungen. Wir haben vor einer Weile alle möglichen Renditefaktoren auf Basis der aktuellen Kapitalmarktforschung unter die Lupe genommen und unsere Anlagestrategie auf die relevanten ausgerichtet.

Und was sind relevante Faktoren?

Ein echter Faktor ist zum Beispiel „Value“. Gemeint sind sogenannte Substanz-Aktien. In der Beurteilung, welche Unternehmen dazu zählen, ist die Profitabilität eines von mehreren Kriterien. Die Dividendenrendite ist in unserem Portfolio übrigens mit rund zwei Prozent etwas höher als im besonders breit aufgestellten MSCI All Country World-Index. Wie schon erwähnt: „Dividendenaktien“ haben bei uns keine Sonderstellung, viele sind aber trotzdem Bestandteil des Portfolios.

Mehr zu den Renditefaktoren, die wir berücksichtigen, gibt es hier.

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