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Wenn ein Elefant keine Wirecard-Aktien kauft.

Wenn ein Elefant keine Wirecard-Aktien kauft.

Wenn Sie die Wahl hätten, würden Sie Ihr Vermögen lieber vom Leiter des Investment-Teams einer deutschen Großbank verwalten lassen – oder von einem Elefanten? Die Frage mag abwegig klingen, sie ist es aber nicht. Das Online-Portal boerse.ARD.de hat im letzten halben Jahr in einer großen „ARD-Aktien-Challenge“ diesen Wettbewerb zwischen Elefant und Börsenprofi organisiert. Tamo, der Elefantenbulle aus dem Kronberger Zoo, trat gegen Chris-Oliver Schickentanz, den Leiter des Investment-Teams der Commerzbank, an. Beide Kontrahenten wählten im November 2019 fünf der 30 Aktien aus dem deutschen Aktienindex DAX aus. Tamo fraß sich gegen den Lohn einiger Äpfel durch die Mitte der Titelliste und setze auf Bayer, BASF, Beiersdorf, BMW und Continental. Investmentprofi Schickentanz wählte nach reiflicher Überlegung Adidas, Allianz, Deutsche Post DHL, RWE und – Wirecard. Nach mehrmaligem Wechsel der Pole Position liegt aktuell das Elefantenportfolio vorne. Während Herr Schickentanz einen Verlust von -22 Prozent verbuchen musste, waren es bei Tamo nur -19 Prozent, bei der fiktiven Anlagesumme von 50.000 € ergibt sich so immerhin ein Vorsprung von 1.500 Euro für den Elefanten.

Wettbewerbe dieser Art gibt es immer wieder, sie gehen zurück auf eine Parabel des amerikanischen Finanz-Professors Burton Malkiel. Seine These „Anlageprofis können den Markt nicht schlagen“ illustrierte er mit einem Affen, der mit verbundenen Augen Dartpfeile auf die Kurstabellen einer Zeitung wirft und damit ein Portfolio zusammenstellt, gegen das Profis regelmäßig verlieren.

Solche Spielchen mögen als amüsante Anekdoten abgetan werden, illustrieren aber perfekt das Vorgehen für eine erfolgreiche Aktienanlage. Denn Tamo kann den Profi schlagen, weil er bei der Aktienauswahl keine Fehler macht. An der Börse ist nicht erfolgreich, wer besonders klug ist, sondern wer seine Kenntnisse realistisch einschätzt. Eine zufällige Aktienauswahl, wie sie Tamo vorgenommen hat, schützt vor Selbstüberschätzung. Menschen – auch Anlageprofis – hingegen unterlaufen häufig Fehleinschätzungen. So begründete Chris-Oliver Schickentanz seine Aktienauswahl im November 2019 bei RWE mit einem Wandel hin zu erneuerbaren Energien, bei Adidas mit vielen Trikotverkäufen während der Fußball-EM und bei Wirecard mit einem generell großen Aufwärtspotenzial. Nichts davon trat ein: RWE-Aktien stiegen zwar, aber nicht wegen der Fortschritte bei erneuerbaren Energien, sondern wegen vorteilhafter Bedingungen beim Kohleausstieg. Adidas verkauft aktuell kein einziges EM-Trikot, stattdessen konnte (oder wollte) der Weltkonzern seine Ladenmieten nicht mehr bezahlen. Und das Versprechen von Aufwärtspotenzial bei Wirecard bedarf keiner weiteren Kommentierung.

Ist es unfair, dem Investmentmanager vorzuwerfen, er habe diese Entwicklungen im November 2019 nicht gesehen? Nein, denn nur mit treffsicheren Zukunftsprognosen können die Überrenditen erzielt werden, die aktive Fondsmanager zur Kompensation ihrer Gebühren benötigen und die sie ihren Anlegern versprechen. Ehrlicher wäre die Aussage gewesen, dass die Zukunftsprognosen aus dem November 2019 genauso tauglich waren wie die Erreichbarkeit der Äpfel, an denen Tamo sich orientierte.

Man muss sich auch klarmachen, dass die Rendite des Elefanten-Portfolios nicht vom Elefantenwissen, sondern vom Wissen aller Anleger weltweit gesteuert wird. Denn diese bestimmen im täglichen Börsenhandel die Kauf- und Verkaufskurse der Unternehmen.

Intuitiv ist das nicht. Denn beispielsweise wird ein Sportler kaum auf dem Siegerpodest landen, wenn er nicht hart trainiert. Gibt man sich hingegen bei der Aktienauswahl keine Mühe, ändert das nichts an den Erfolgsaussichten: Denn die Mühe machen sich Heerscharen professioneller Analysten und Fondsmanager, deren konsolidierte Meinung den Preis der Aktie bestimmt. Die eigene Analyse ist lediglich eine weitere unter vielen anderen und liefert deshalb keinen Mehrwert.

Nicht nur Schickentanz setzte auf Wirecard. Auch der in einigen Medien als „Krisenprophet“ dargestellte Dirk Müller hielt die Täuschungsvorwürfe vor einigen Jahren „für Blödsinn“ und kaufte nach dem Aufkommen der Vorwürfe nach – Auch wenn er laut eigener Aussage rechtzeitig vor dem jüngsten Absturz verkaufte: Sein Fonds erzielte gegen stattliche Gebühren in den letzten Jahren nur eine Null-Rendite, obwohl die Aktienmärkte stark stiegen. Auch der „DWS Deutschland-Fonds“, mit einem Volumen von über 4 Milliarden Euro ein Schwergewicht am deutschen Fondsmarkt, war bis an die gesetzlich erlaubte Oberkante von 10 % des Fondsvolumens in Wirecard investiert.

Man mag diese Beispiele für Einzelfälle halten und mit Beispielen erfolgreicher Fonds dagegenhalten. Studien bestätigen aber auch systematisch, dass Profis trotz unbestritten überzeugenderem Auftritt Aktien schlussendlich kaum besser selektieren können als ein Elefant. So untersuchte beispielsweise der Nobelpreisträger Eugene Fama 5.238 Fonds über einen Zeitraum von 22 Jahren. Gemäß seiner Analyse erwirtschaften weniger als ein Prozent aller Manager eine Mehrrendite, die ihre Kosten deckt.

quirion konzentriert sich aus diesem Grund auf Dienstleistungen, die tatsächlich Mehrwert schaffen. Dies sind die Konstruktion eines breit diversifizierten Portfolios, die Auswahl der besten ETFs, ein kosteneffizienter Wertpapierhandel und die Steuerung des Portfoliorisikos durch regelmäßiges Rebalancing.

Apropos Diversifikation: Bei quirion erreichen wir eine maximale Diversifikation durch den Kauf fast aller weltweit verfügbaren Wertpapiere. Diese Strategie kann als Weiterentwicklung des emotionslosen, zufälligen Auslosens einiger weniger Werte aufgefasst werden. Man kippt quasi einen ganzen Korb voller Dartpfeile auf die Zeitungsseite und kauft alle Werte. Das bedeutet zwar, neben allen Gewinnbringern auch alle verlustreichen Aktien zu erwischen. Ihr Einfluss auf die Wertentwicklung ist aber durch die zwangsläufig geringe Gewichtung stark begrenzt. Der Wirecard-Anteil am Aktienportfolio von quirion betrug bescheidene 0,03 Prozent. Selbst ein Totalausfall dieser Position ginge also im täglichen Auf und Ab der Börsen vollständig unter. Dies zeigt, dass Diversifikation besser vor Verlusten schützt als der teure und trübe Blick in die Glaskugel.

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