Der ETF-Markt boomt. Ständig werden neue Produkte auf den Markt geworfen. Wir schauen auf 5 Konzepte und sagen, was davon zu halten ist.
1) Aktien mit „Burggraben“
Wenn an der Börse die Kurse heiß laufen und die Risiken in den Vordergrund rücken, sind sie besonders gefragt: Aktien von Unternehmen, die durch ihr herausragendes Geschäftsmodell eine Art Schutzwall gegenüber der Konkurrenz aufgebaut haben und damit langfristig überdurchschnittlich erfolgreich sind. Investor-Legende Warren Buffett hat dafür den Begriff des „wirtschaftlichen Burggrabens“ (englisch: „economic moat“) populär gemacht. Und das Konzept verfolgen auch verschiedene Burggraben- beziehungsweise Moat-ETFs.
Das Problem: Solche Unternehmen sind außerordentlich selten. Nach einer Studie des Ökonomen Hendrik Bessembinder waren es im Zeitraum von 1926 bis 2025 am US-Aktienmarkt gerade einmal 46 von insgesamt 29.081 Aktien, die 50 Prozent der gesamten Wertschöpfung erzielten. Niemand kann im Vorhinein wissen, welche sich in Zukunft als Gewinner erweisen. Der Blick auf die Erfolge der Vergangenheit bringt nicht viel. Zu schnell können sich Märkte und Wettbewerbssituationen verändern. Man kann also nur raten, was äußerst riskant ist. So führt der Begriff des „Schutzwalls“ schnell in die Irre. Dahinter verbirgt sich nämlich eine sehr spekulative Geldanlage.
2) Die Hoffnung auf regelmäßiges Einkommen
Ein Hingucker ist für viele, wenn ein Produkt das Schlagwort „Income“ im Namen trägt. Dabei sollte man bei solchen ETFs aus mehreren Gründen ganz genau hinschauen. Denn dahinter können sich äußerst verschiedene Strategien verbergen. Manche der Produkte konzentrieren sich auf Aktien mit hohen Dividenden oder Dividendenrenditen. Andere setzen auf Zinseinnahmen oder Immobilienerträge. Wieder andere setzen komplexe Derivatestrategien ein.
Die Aussicht auf regelmäßige Einnahmen klingt für manche greifbarer als die vermeintlich vage Hoffnung auf künftige Kurssteigerungen. Doch werden Erträge nicht wieder angelegt, lässt man den Zinseszinseffekt ungenutzt. Der ist ein zentraler Baustein im Vermögensaufbau.

Wenn man den Zinseszinseffekt effektiv nutzen will, haben die Aktienmärkte gerade langfristig besondere Renditechancen zu bieten. Laut „Global Investment Returns Yearbook 2026“ von UBS und London Business School haben Aktien von 1900 bis 2026 in 21 untersuchten Ländern Anleihen und Geldmarktpapiere übertroffen.
3) Die Weltwirtschaft im Depot
Um die Risiken der Geldanlage am Aktienmarkt zu reduzieren, gibt es vor allem einen Weg: die breite Streuung über verschiedene Branchen und Länder. Möglichst in aller Welt. Dabei gibt es verschiedene Ansätze, um die Welt ins Depot zu bringen. Üblich ist, sich bei der Gewichtung der Aktien am jeweils aktuellen Börsenwert zu orientieren, an der sogenannte Marktkapitalisierung. Inzwischen gibt es aber auch ETFs, die Länder stattdessen nach der Größe des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts (BIP) gewichten. Das Argument: So werde die Weltwirtschaft „realistischer“ abgedeckt und die Abhängigkeit vom US-Markt reduziert. Durch die BIP-Orientierung verschiebt sich der Anlageschwerpunkt – insbesondere nach China und Indien.
Doch am Weltaktienmarkt liegen die Verhältnisse anders als beim BIP-Vergleich. Zwar ist dort die Bedeutung von Schwellenländern ebenfalls gewachsen, aber eben nicht so stark. Am Weltaktienmarkt haben die USA ein überragendes Gewicht von rund 60 Prozent. China erreicht bloß etwa 3 Prozent. Mit einem BIP-orientierten ETF spekuliert man in gewisser Weise darauf, dass sich die Verhältnisse am Weltaktienmarkt ändern – eine gewagte Wette. Denn niemand kann zuverlässig den Markt schlagen. Sich gegen ihn zu stellen, kostet in den allermeisten Fällen Rendite.
4) Renditefaktoren: Auf den Zweck kommt es an
Jede Aktie hat eine Reihe von Eigenschaften, die Renditechancen und Risiken entscheidend beeinflussen. Dazu zählen neben der Höhe der Marktkapitalisierung zum Beispiel die Volatilität oder die Kursdynamik. Sogenannte Faktor-ETFs sind Produkte, die sich an solchen Merkmalen orientieren. Wie sinnvoll diese Instrumente für die Geldanlage sind, hängt von ihrer Rolle im Depot ab.
Wer damit den breiten Markt schlagen will, setzt sich mit einer solchen Spekulation hohen Risiken aus. Wir bei quirion nutzen ebenfalls Faktor-ETFs – aber ausschließlich, um den Grad der Diversifikation zu erhöhen. Wichtig dabei: Egal, wie der Name des Faktor-ETFs ist, er bildet immer mehrere Faktoren gleichzeitig ab. Deshalb achten wir genau darauf, ob die Produktkombination wirklich die angestrebte Faktorgewichtung ins Portfolio bringt.

5) Mit Puffer für mehr Sicherheit
Zu den „Innovationen“ am ETF-Markt gehören auch sogenannte Buffer-ETFs. Deren Prinzip ist aus der Zertifikate-Welt bestens bekannt. Es geht um einen über Derivate eingebauten Puffer, der Verluste begrenzen soll. Das Prinzip: Anleger partizipieren an der Entwicklung eines Aktienindex, etwa des amerikanischen S&P 500. Optionen gleichen Verluste bis zu einer bestimmten Schwelle aus. Dafür wird die Beteiligung an der Rendite nach oben begrenzt.
Ob durch höhere Gebühren oder entgangene Rendite: Solche Absicherungen kosten viel Geld. Zur Risikobegrenzung sind andere Strategien viel sinnvoller. Dazu zählt einerseits ein langer Anlagehorizont. Denn langfristig gleichen sich Kursschwankungen in der Regel aus – und so verpasst man keine Renditechancen. Außerdem können Anleihen in einem Portfolio die Schwankungen des Aktienanteils begrenzen.
Fazit: Für den Vermögensaufbau am Aktienmarkt ist insbesondere eine breite Streuung und ein langfristiger Anlagehorizont wichtig. Je stärker ein Portfolio konzentriert ist, desto größer sind die Risiken. Unser globales ETF-Portfolio ist auf wissenschaftlicher Basis diversifiziert und beteiligt an über 10.000 Aktien. Je nach Anlagehorizont und Risikoprofil mischen wir zudem Anleihen bei.
Mehr über unser Anlagekonzept erfährst du hier.
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