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11.02.2019 Teuer kaufen, billig verkaufen?

Neueste Zahlen zum Anlegerverhalten im Dezember zeigen, dass Anleger systematisch aus dem Markt ausgestiegen sind – und damit die Erholung im Januar verpasst haben. Wie man es besser macht, beschreiben wir in diesem Artikel.

Aktienbesitzer haben in den letzten 10 Wochen ein Wechselbad der Gefühle erlebt. Im Dezember 2018 brachen die Kurse an den Aktienmärkten weltweit in der Spitze um über 12 % ein, nur um seitdem wieder um 14 % zu steigen. Diese Schwankungen haben in Erinnerung gerufen, dass sich ohne Risiko keine attraktive Rendite erwirtschaften lässt. Insofern stehen die letzten Wochen exemplarisch für das ständige Auf und Ab, das für die Aktienmärkte so typisch ist.

Interessant ist, wie Anleger auf den Markteinbruch im Dezember reagiert haben. Neuesten Zahlen des Fondsanalysehauses Morningstar zufolge haben Anleger alleine im Dezember 143 Mrd. $ aus aktiv verwalteten Fonds abgezogen (die Zahlen beziehen sich auf die USA). Nie zuvor war der Exodus so enorm. Zum Vergleich: In den restlichen 11 Monaten des Jahres 2018 betrugen die Abflüsse „lediglich“ 158 Mrd. $. Ein Teil der Gelder bliebt zwar auch im Dezember investiert und wurde in kostengünstige Indexfonds umgeschichtet – 60 Mrd. $, um genau zu sein – aber um diesen generellen Trend hin zu prognosefreien Anlageformen geht es uns hier nicht. Wir finden es bemerkenswert, dass Anleger sich in Scharen aus dem Markt zurückziehen, just bevor im Januar die besten Renditen seit langem zu verzeichnen waren.

Dieser missglückte Versuch einen günstigen Ausstiegszeitpunkt zu erwischen ist so anlegertypisch, dass sich ein eigener Begriff hierfür herausgebildet hat: Die "Verhaltenslücke". Gemeint ist, dass Anleger systematisch nach Kursanstiegen kaufen und nach Kursverlusten enttäuscht verkaufen. Sie steigen also zu hohen Kursen ein und zu niedrigen aus, was zu einer Renditelücke im Vergleich zu einer durchgehenden Investition führt. Morningstar hat diese Lücke an realen Fonds- und Anlegerrenditen ausgemessen und kommt auf 1,4 % pro Jahr, die Anlegern durch schädliches Timing-Verhalten entgeht.

So unklug ein solches Verhalten auf den ersten Blick auch sein mag, so schwer lässt es sich in der Praxis abstellen. Denn allzu natürlich ist der Drang, Investments nach ihrer historischen Rendite zu beurteilen: Gekauft wird, was sich in der Vergangenheit gut entwickelt hat. Erzielte eine Anlage jedoch Verlust, wird sie abgestoßen, um „schlechtem Geld kein gutes hinterherzuwerfen“. Doch historisch gute Renditen lassen sich nicht in die Zukunft fortschreiben. Wenn überhaupt, lässt sich genau der gegenteilige Effekt finden: Nach guten Börsenjahren entwickelt sich der Markt etwas schwächer – aber weiterhin positiv – nach schlechten Phasen steigt er überdurchschnittlich.

Privatanleger treffen also intuitiv genau die falsche Handelsentscheidung, was zu der zuvor beschriebenen Renditelücke führt. Ergänzt sei eine Anmerkung zu diesen Messungen: Natürlich muss mathematisch zwingend die Gesamtheit aller Anleger die Rendite des Gesamtmarktes erwirtschaften, wenn man Kosten außen vor lässt. Wenn Privatanleger bei ihren Investments in aktive Fonds also eine Renditelücke aufweisen, muss irgendwo anders ein Renditeplus auf dem Depotauszug stehen. Doch hierzu gleich mehr.

Was können Sie gegen die Renditelücke tun?

Die Renditelücke kann überwunden werden. Zum einen hilft es bereits, sich ihrer bewusst zu werden. Vor dem nächsten Verkaufsauftrag sollte man sich in Ruhe fragen: Kann ich wirklich keine weiteren Verluste mehr tragen? Bin ich nicht auch enttäuscht, wenn ich jetzt verkaufe und der Markt danach wieder steigt? Ist es schlüssig, sich jetzt gegen Aktien zu entscheiden, wo ich sie doch noch vor kurzem – als sie teurer waren! – für ein attraktives Investment gehalten habe?

Noch besser ist es, erst gar nicht hinzuschauen. Wer Marktschwankungen überhaupt nicht registriert, kann auch nicht falsch auf sie reagieren. Ein Sparplan ist hierbei ein gutes Hilfsmittel, denn mit ihm lässt sich Sparen automatisieren. Neben dem Komfortgewinn tritt der angenehme Nebeneffekt ein, dass auch zu niedrigen Kursen systematisch gekauft wird.

Anleger mit guten Nerven schaffen es sogar, die Renditelücke in ein Plus zu verwandeln. Ein antizyklisches Umschichten aus Anlageklassen mit in der Vergangenheit überdurchschnittlicher Entwicklung hin in Anlageklassen mit schlechter Entwicklung nutzt prozyklisches Verhalten der übrigen Anleger aus und hat historisch für eine Mehrrendite um die 0,4 % pro Jahr gesorgt. Der Rebalancing-Mechanismus bei quirion nutzt genau diesen Effekt aus.

Um dies schlussendlich klarzustellen: Es ist nicht möglich, Auf- und Abbewegungen an den Märkten systematisch vorherzusagen. Zu Recht ist dieses „Market Timing“ als Anlagesünde bezeichnet worden, wie der Fondsmanager Cliff Asness einmal schrieb. Dies gilt erst recht, wenn man sich so leicht mit dem Vorzeichen vertut. Aber seiner Empfehlung, "ein wenig zu sündigen", wollen wir im Rahmen unseres systematischen Rebalancing-Ansatzes – ohne Kaufen mit Verkaufen zu verwechseln – gerne folgen.

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