Dass sich die Verbreitung von immer fortschrittlicheren KI-Modellen auf die gesamte Wirtschaft auswirken wird, scheint auf der Hand zu liegen. Schon jetzt darauf zu wetten, wer die Gewinner und Verlierer der Entwicklung sind, ist trotzdem keine gute Idee.
Wieder ein Meilenstein für die Aktie von Nvidia: Im April hat der Chipentwickler als weltweit erstes Unternehmen eine Marktkapitalisierung von über 5 Billionen US-Dollar erreicht. Und damit einmal mehr dazu beigetragen, den richtungweisenden US-Index S&P 500 auf ein neues Rekordhoch zu schieben.
Die hohe Nachfrage nach KI-Chips und massive Investitionen in Rechenzentren geben den Märkten immer wieder Impulse. Allerdings nicht immer in dieselbe Richtung. Einige Wochen zuvor überwog noch die Sorge, dass amerikanische Tech-Konzerne zu viel Geld auf KI setzen könnten. Allein im laufenden Jahr wollen Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft insgesamt mehr als 650 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur investieren. Und natürlich steht im Vorfeld nicht fest, ob sich die Investitionen lohnen.
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Mehr Produktivität, aber weniger Produzenten?
Die Auswirkungen der hohen KI-Investitionen zeigen schon Spuren im starken Wachstum des US-BIP. Und das soll erst der Anfang sein. Denn das Potenzial von KI betrifft nicht nur den Technologiesektor, sondern mehr oder weniger die gesamte Wirtschaft. Nicht bloß in den USA, sondern überall auf der Welt.
Das deutsche BIP-Wachstum könnte durch KI in den kommenden 15 Jahren im Schnitt jährlich um 0,8 Prozentpunkte höher ausfallen, prognostizierte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung im vergangenen November. Die Hoffnung auf Produktivitätsgewinne ist groß, auch wenn die sich erst materialisieren müssen. In der Pharmabranche beispielweise könnte die teure Forschungs- und Entwicklungsphase für Medikamente erheblich verkürzt werden. Ob im Finanzsektor, im Handel oder im Maschinenbau: In nahezu jedem Wirtschaftszweig könnte KI viele Prozesse effizienter machen.
Auf der anderen Seite sind die Fortschritte der KI nicht für alle ein Gewinn. Im Februar machte an der Wall Street ein neues Schlagwort die Runde, der sogenannte „AI Scare Trade“. Es verbreiteten sich Spekulationen, dass KI zahlreiche Geschäftsmodelle untergraben könnte. Die Welle ergriff immer mehr Sektoren – von Softwareanbietern über Immobiliendienstleister bis hin zu Versicherern. Als mögliche Folge der KI-Verbreitung wird immer wieder auch vor einem großen Verlust von Arbeitsplätzen gewarnt – mit einschneidenden Folgen für die Ökonomie.
KI: Jobkiller oder Auslöser eines Gründerbooms?
Allerdings gibt es ebenfalls Voraussagen, denen zufolge KI mehr Arbeitsplätze schaffen als vernichten könnte. So wies jüngst Torsten Slok, Chefökonom der amerikanischen Investmentfirma Apollo, auf das sogenannte „Jevons Paradox“ hin. William Stanley Jevons hatte Mitte des 19. Jahrhunderts festgestellt: Als Dampfmaschinen die Effizienz der Kohleverbrennung steigerten, verbrauchte England nicht weniger Kohle, sondern mehr. Der technische Fortschritt erlaubte zwar die bessere Nutzung des Rohstoffs. Doch das führte zu einer erhöhten Nachfrage nach dem Rohstoff, statt sie zu senken.
Ob es um Vertragsentwürfe durch Rechtsanwälte geht oder um die Wirtschaftsprüfung: Durch den Einsatz von KI-Tools lassen sich die Kosten von „Wissensarbeit“ senken. „Nennen wir es den Jevons-Beschäftigungseffekt“, schreibt Slok in einer kurzen Analyse. Wenn die Kosten für qualifizierte Arbeit sänken, erweitere sich der potenzielle Markt, und die Gesamtzahl der Unternehmen und Beschäftigten in diesem Bereich wachse. „Dazu gehören auch Start-ups, die von frischgebackenen Hochschulabsolventen gegründet wurden und die nun bei bestimmten Aufgaben mit etablierten Unternehmen konkurrieren können.“ Das sei wahrscheinlich der Grund, warum die Arbeitslosenquote bei jungen Arbeitnehmern gerade stärker sinke und die Zahl der wöchentlich neu gegründeten Unternehmen auf dem höchsten Stand in der Geschichte der USA liege.
Prognosen: kein Fundament für die Geldanlage
Ob Slok mit seiner Vermutung mittel- bis langfristig richtig liegt, bleibt offen. Genau wie die Frage, welche Unternehmen künftig zu den Gewinnern oder Verlierern gehören. Auf Prognosen kann man sich einfach nicht verlassen. Ob sie von menschlichen Expertinnen und Experten stammen oder von einer KI.
„Niemand kennt maßgebliche Entscheidungen, bevor sie getroffen wurden – beispielsweise von Unternehmen, von Verbraucherinnen und Verbrauchern oder von politischer Seite“, zeigt Philipp Dobbert auf, unser Chefökonom und Leiter der Vermögensverwaltung. „Von manchen Entwicklungen wissen wir nichts über den Verlauf, von manchen wissen wir im Vorfeld rein gar nichts.“
Außerdem: Vieles kann für die Kurse eine Rolle spielen. Die Verbreitung von KI ist nicht das Einzige, was sie bewegt. „Monokausale Erklärungen für Trends an den Aktienmärkten laufen sehr oft ins Leere“, unterstreicht Dobbert. „Für die Entwicklung der Kurse kann man jederzeit viele Gründe finden.“
Streuung statt Spekulation
In der Anlagestrategie sollte man auf Spekulationen und Prognosen besser verzichten. Denn sie bringen bloß unnötige Risiken ins Portfolio. Je selektiver man auf bestimmte Aktien, Branchen oder Länder setzt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit danebenzuliegen. Je breiter man streut, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, die Gewinner im Portfolio zu haben.
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