Eine ruhige Hand auch in heftigen Börsenzeiten
Ein Marktkommentar von quirion

Wirtschaft und Märkte: Wie hängt das zusammen?

Wirtschaft und Märkte: Wie hängt das zusammen?

Wenn die Kurse hohe Werte erreichen, ist das auf die Bilanzen der Unternehmen zurückzuführen. Und wenn das Bruttoinlandsprodukt schwächelt, sinkt auch der Börsenindex. So könnte man denken. Doch die Zusammenhänge sind nicht so unmittelbar.

Wertvoller als alle DAX-40-Aktien zusammen: Apple war Anfang Januar das erste Unternehmen der Welt, das an der Börse zwischenzeitlich über eine Marktkapitalisierung von rund drei Billionen US-Dollar verfügte. Dann kam der Rücksetzer bei den Tech-Aktien, der auch Apple in Mitleidenschaft zog. Der Börsenwert der Tech-Ikone sank innerhalb weniger Tage um einige Hundert Milliarden Dollar. Zumindest vorübergehend.

Liest man solche Zahlen, kommt einem schnell die Frage in den Sinn, wie das denn gerechtfertigt sein kann. Was haben solche Börsenwerte mit den Fundamentaldaten des Unternehmens zu tun, also mit Kennziffern wie Umsatz und Gewinn? Sind die Kurse nur „heiße Luft“? Ein Blick in die Bilanz von Apple: Der Jahresumsatz lag im Geschäftsjahr 2020/21 bei 366 Milliarden US-Dollar. Das ist durchaus beachtlich. Aber die umsatzstärksten DAX-Werte, Volkswagen und Daimler, bringen 2021 nach Analystenschätzungen zumindest gemeinsam mehr auf die Waage, nämlich umgerechnet rund 467 Milliarden US-Dollar. Anders beim Gewinn: Im Vergleich zum Apple-Jahresüberschuss von 95 Milliarden US-Dollar wirkt der für Volkswagen und Daimler für das Jahr 2021 geschätzte Nettogewinn von zusammen etwa 30 Milliarden US-Dollar recht schmal.

Gewinne, Gewinne, Gewinne

Die Zahlenvergleiche verraten schon einiges darüber, was die Märkte an Bilanzen besonders interessiert. „Apple ist ein Unternehmen mit einer weit überdurchschnittlichen Gewinnentwicklung“, erklärt unser Chefvolkswirt Philipp Dobbert. Und die Gewinne sind es, die an der Börse zählen. Wobei das, was genau zählt, nicht die bereits erreichten Unternehmenserfolge sind: „Dass an der Börse die Zukunft gehandelt wird, klingt zwar schon etwas abgegriffen, ist aber wahr“, stellt Dobbert fest. Eine hohe Bewertung zeuge davon, dass der Markt sehr hohe Erwartungen in die Fähigkeit von Unternehmen habe, in Zukunft hohe Gewinnsteigerungen zu erzielen. Das hat die Technologiewerte, insbesondere große Plattformen, lange zum Zugpferd der Börsen gemacht. Deren Bewertungskennziffern, etwa das Verhältnis von Kursen und Gewinnen, sind in den vergangenen Jahren in luftige Höhen gestiegen. Das macht sie nun anfälliger für Korrekturen.

„Betrachtet man die Entwicklung langfristig und im Durchschnitt, sind die Kurse an die fundamentalen Daten gebunden“, erläutert Dobbert. „Auf der Ebene der Einzelwerte und in kurzfristiger Perspektive ist der Zusammenhang aber weit weniger zwingend.“ Die Marktpreise spiegeln Erwartungen und bündeln so in gewisser Weise Prognosen der Marktteilnehmer. Die stürzen sich besonders auf die vermutlich aussichtsreichsten Werte. Es kommt zu Über- oder Untertreibungen. „Eben das ist ein wichtiger Grund für die kurzfristigen Schwankungen, die sich über die Zeit und im Durchschnitt wieder relativieren.“ 

Entkoppeln sich Wirtschaft und Märkte?

Einen Zusammenhang wie bei den einzelnen Kursen und Bilanzen sieht Dobbert auch bei der Wirtschaft und den Finanzmärkten insgesamt, selbst wenn bei diesen gelegentlich eine Entkoppelung konstatiert wird. „Das gibt es zwar phasenweise, ist aber stets vorübergehend“, ist der Ökonom überzeugt.

S&P 500 und US-BIP im Vergleich

„Langfristig und im Mittel spiegelt die Börse die wirtschaftliche Entwicklung – aber nur in den Branchen, die an der Börse stark repräsentiert sind“, betont der Volkswirt. Allein in Deutschland gibt es rund 3,4 Millionen Unternehmen, die wenigsten gehen an den Aktienmarkt. „Gerade in Europa sind ganze Wirtschaftszweige am Aktienmarkt kaum vertreten.“ Das gilt etwa für die Gastronomie, die in den vergangenen Jahren unter der Corona-Pandemie besonders gelitten hat. Derweil stiegen an den Börsen die Kurse auf neue Höchststände. „Es entsteht dann beim ein oder anderen manchmal der Eindruck, an der Börse würde eine Party gefeiert, während es der Wirtschaft eigentlich schlecht geht.“ Der Aktienmarkt repräsentiert aber nicht die gesamte Wirtschaft.

Dauerhaft und breit gestreut investieren

Außerdem: Kennziffern der Wirtschaftskraft wie das Bruttoinlandsprodukt zeigen die wirtschaftliche Lage im Rückspiegel. „Der Markt fragt sich aber, wie es morgen oder übermorgen sein wird“, konstatiert Dobbert. Entsprechend groß ist das Interesse an sogenannten vorlaufenden Konjunkturindikatoren wie dem Einkaufsmanagerindex in den USA oder auch dem ifo Geschäftsklima in Deutschland. Die Erwartungen, die sich darauf aufbauen, sind mit Unsicherheiten behaftet – ähnlich wie es die Gewinnerwartungen bei den Unternehmen sind. Was bedeutet das alles für Anleger? „Wer dauerhaft und breit gestreut investiert ist, muss sich um kurzfristige Über- oder Untertreibungen bei den Kursen keine Gedanken machen“, ist Dobbert sicher. „Denn langfristig und im Durchschnitt ist der Aktienmarkt bislang immer gestiegen.“

Mehr zur Markteinschätzung von quirion gibt es hier.

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