Japan: Zwischen Aktienboom und Währungskrise

Japan: Zwischen Aktienboom und Währungskrise

Der japanische Aktienmarkt hat in den vergangenen Jahren einen gewaltigen Sprung nach oben gemacht. Allerdings hat die jüngste Schwäche des Yen sowohl die japanische als auch die amerikanische Notenbank zu Interventionen am Devisenmarkt bewogen. Was hinter den Entwicklungen steckt und welche Bedeutung Japan für das Portfolio von quirion hat.

Wenn vom Aktienmarkt die Rede ist, steht in Deutschland der Heimatmarkt im Fokus. So ist es aber nicht nur bei uns. Der „Home Bias“ ist ein internationales Phänomen. Dabei schafft es der deutsche Aktienmarkt gemessen an der Marktkapitalisierung im Länderranking bloß auf Platz 11. Als drittgrößter Aktienmarkt der Welt hat Japan wesentlich mehr Gewicht.

Allerdings: Viele Jahre hinkte der japanische Aktienmarkt anderen hinterher. Lange hat es gedauert, bis er an die Boomjahre der 1980er anknüpfen konnte. Erst im Februar 2024 schaffte es der bekannteste japanische Aktienindex – der Nikkei 225 – seinen alten Höchststand von 38.957 Punkten aus dem Jahr 1989 zu übertreffen. Seitdem hat der Markt nochmal deutlich an Dynamik gewonnen. In diesem Jahr lag er schon einmal über 72.000 Punkten. Anfang Okotober notierte er bei rund 69.800 Punkten.

Das Ende des Carry Trades

Das Jahr 2024 brachte aber nicht nur neue Dynamik in den japanischen Aktienmarkt. Es war auch das Jahr, in dem die japanische Notenbank erstmals seit 17 Jahren die Leitzinsen erhöhte – und so die lange Phase der Null- und Negativzinsen beendete. Schrittweise sind die Zinsen seitdem weiter geklettert. Mitte September hat die Bank of Japan den Leitzins auf 1,25 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 31 Jahren angehoben.

„Man sollte eigentlich denken: Wenn die Zinsen steigen, werden Anleihen attraktiver und damit werden mehr Yen nachgefragt“, sagt Philipp Dobbert, unser Chefvolkswirt und Leiter unserer Vermögensverwaltung.

Doch das Gegenteil war der Fall. Der Yen wurde immer schwächer. „Das liegt vor allem daran, dass mit der veränderten Zinspolitik die Rechnung sogenannter Carry Trades nicht mehr aufgeht.“

Zum Hintergrund: Weil der Zins in Japan besonders lange nahe oder unter der Nulllinie lag, haben sich Investoren dort billig verschuldet und das Geld in höher rentierliche internationale Anleihen und Aktien gesteckt. „Weil die Wette aber nicht mehr funktioniert, werden Yen seit einer Weile massiv abgestoßen“, erklärt Dobbert. Den Verkaufsdruck erhöht, dass Japans ohnehin hoher Schuldenberg weiter wächst: Japans Regierung plant Steuerentlastungen und Milliardeninvestitionen. Das schürt Spekulationen über die angespannte Finanzlage des Landes. Denn Japan weist unter den Industrieländern ohnehin schon die höchste Schuldenquote im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt auf.

Vorteile beim Export, Nachteile beim Import

Für Japans Exportwirtschaft ist ein billiger Yen sehr vorteilhaft. „Made in Japan wird wieder beliebter“, stellt Dobbert fest. Japanische Lifestyle-Marken sind international gefragt und auch als Urlaubsdestination erlebt das Land einen Boom. Die Gewinnentwicklung der Unternehmen zeigt nach oben. Die Kehrseite zeigt sich beim Import: Gerade bei Energie ist Japan abhängig von Einfuhren, die in US-Dollar oder anderen Währungen bezahlt werden müssen. So heizt die Yen-Schwäche die Inflation an. Zusätzlicher Inflationsdruck kommt durch den Krieg im Iran, der in den vergangenen Monaten zu einem starken Anstieg der Ölpreise geführt hat.

Um die Schwäche des Yen zu brechen, hat die japanische Notenbank nicht nur den Leitzins angehoben. Sondern auch am Devisenmarkt interveniert – zeitweise unterstützt durch die amerikanische Notenbank. Doch die Maßnahmen erwiesen sich als Strohfeuer. „Als Ökonom muss ich mich immer über solche Stützungsaktionen wundern“, betont Dobbert. „Eigentlich liegt auf der Hand, dass sie ins Leere gehen. Denn wenn der Yen abwertet, muss die Zentralbank zur Stützung Yen kaufen – und dafür in anderen Währungen oder Gold bezahlen.“ Jeder am Markt wisse, dass die Reserven begrenzt sind. „Anders ist das, wenn es darum geht, die eigene Währung zu drücken. Eine Notenbank kann natürlich immer die Druckerpresse anwerfen.“

Anlagestrategie spekulationsfrei halten

Wird der Yen billiger, werden japanische Aktien für internationale Anlegerinnen und Anleger günstiger – und damit wird der Markt attraktiver. „Doch wenn man daran denkt, dass man bei einem späteren Verkauf schwache Yen erhält, relativiert das die Attraktivität wieder“, zeigt Dobbert auf. Es komme darauf an, wie lange der Trend anhalte. Bloß: Das wisse niemand im Vorhinein. „Für die Geldanlage bringt es nichts, über die langen ökonomischen Wirkungsketten zu spekulieren, die im Fall einer längeren Währungsschwäche eine Rolle spielen könnten.“

Dazu kommt: Der Aktienmarkt wird nicht nur von der Währungsentwicklung bestimmt. „Es lassen sich jederzeit zahlreiche Gründe dafür finden, warum die Kurse steigen oder fallen werden“, unterstreicht Dobbert. Manche treffen ein, manche nicht. „Wichtig ist deshalb, im Portfolio jederzeit auf ein möglichst optimales Verhältnis von Renditechancen und Risiken zu achten.“ Das sei das Ziel im globalen ETF-Portfolio von quirion.

Die Anlagestrategie für das globale ETF-Portfolio ist prognosefrei. „Das bedeutet, dass wir uns nie an aktuellen Trends orientieren oder an Spekulationen darüber, wie es in bestimmten Märkten weitergeht“, erläutert Dobbert. „Stattdessen setzen wir auf eine Diversifikation nach wissenschaftlichen Kriterien.“ Die Gewichtung der Aktien richtet sich dabei über die Marktkapitalisierung hinaus auf einige weitere Renditefaktoren. Mit einer solchen Strategie nutzt man die langfristigen Renditechancen der weltweiten Aktienmärkte, ohne unnötige Risiken einzugehen.

Wie du mit quirion Vermögen aufbaust, erfährst du hier.

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