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Finanzwissen

Krypto: In Deutschland bald (noch) unattraktiver?

Veröffentlicht am 3 min Lesezeit

Die Wertentwicklung von Kryptowährungen wie Bitcoin verläuft auch in diesem Jahr extrem volatil. Neue Steuerregeln könnten Anlegerinnen und Anleger ab 2027 zusätzlich belasten. Warum wir Kryptowährungen weiterhin für ungeeignet halten, um langfristige Anlageziele zu verfolgen.

Die Krypto-Welt hat sich von Donald Trump große und nachhaltige Impulse erwartet. Der US-Präsident hat sich vom Krypto-Skeptiker zum engen Verbündeten und Profiteur der Branche gewandelt. Schon im Vorfeld der Wahl zu seiner zweiten Amtszeit erreichte der Bitcoin ein neues Allzeithoch von rund 126.000 US-Dollar. Doch die Euphorie hielt nicht lange. Die Kryptowährung ging einmal mehr auf Talfahrt und sackte Ende Juni dieses Jahres vorübergehend auf rund 58.000 Dollar ab – zum Hoch ein Wertverfall von über 50 Prozent. Die Achterbahnfahrt setzt sich fort: Im September erreichte der Bitcoin wieder über 80.000 US-Dollar. Der Kursverlauf bleibt extrem volatil.

„Kryptowährungen traten mit einem großen Versprechen an: ein neues Geld, unabhängig von Staaten, fälschungssicher, offen für alle“, sagt Prof. Dr. Stefan May, Leiter der Anlagestrategie und Produktentwicklung bei quirion und der Quirin Privatbank. Allerdings: „Doch wenn man sie nicht nur als technologische Neuerung betrachtet, sondern als Anlageklasse, fällt die Bilanz ernüchternd aus“, stellt May fest.

Der entscheidende Unterschied zu Aktien, Anleihen oder Immobilien: „Kryptowährungen erzeugen keine Cashflows. Es gibt keine Dividenden, keine Zinskupons, keine Mieten und auch keinerlei verlässliche und verbriefte Ansprüche.“ Eigentumsrechte seien ausschließlich in einer sogenannten Blockchain gespeichert, die ohnehin nur die wenigsten so richtig verstehen. „Damit fehlen aber sämtliche Voraussetzungen eines Bewertungsankers.“

Risiken werden unterschätzt

Trotzdem übt die Krypto-Welt auf viele eine große Faszination aus. Stützt man sich auf eine Befragung von YouGov im Auftrag der Management- und Technologieberatung BearingPoint, besitzen bereits rund 13 Prozent der Deutschen Kryptowährungen. Der Löwenanteil fällt dabei mit 75 Prozent auf Bitcoin. Bemerkenswert: Danach befragt, womit Kryptowährungen am ehesten vergleichbar sind, stufen nur 33 Prozent diese als „hochspekulatives Produkt“ ein. Das zeigt, dass die Mehrheit sich offenbar der besonderen Risiken einer Geldanlage in Kryptowährungen kaum bewusst ist.

Das kann zu bösen Überraschungen führen. „Die extreme Volatilität der Kryptowährungen ist eine unmittelbare Konsequenz des fehlenden Wertankers“, erklärt May. „Spekulationswellen schlagen sich ungebremst in den Kursen nieder.“ Große Einbrüche, die bei Kryptowährungen häufig vorkommen, haben für Anlegerinnen und Anleger schmerzhafte Folgen. Nach einem Minus von beispielsweise 50 Prozent braucht es ein sattes Plus von rund 100 Prozent, um wieder das Ausgangsniveau zu erreichen.

Zwar seien große Schwankungen nicht per se verwerflich. „Akzeptabel sind sie aber nur, wenn sie langfristig mit einer Risikoprämie vergütet werden, die die Nervenanspannung – und die zwischenzeitlichen Verluste – rechtfertigt“, unterstreicht May. Das sei bei den Krypto-Coins aber nicht der Fall.

‍Neue Steuerregeln geplant

Für deutsche Krypto-Anlegerinnen und -Anleger könnte es zudem ab kommendem Jahr noch unattraktiver werden, in Kryptowährungen zu investieren. Denn 2027 sollen sich die Steuerregeln ändern. Das zumindest sieht ein Gesetzentwurf des Bundesfinanzministeriums vor. Dann soll bei neuen Investments die Steuerfreiheit nach 12 Monaten Haltedauer entfallen. Wie bei Aktien sollen 25 Prozent Abgeltungssteuer auf Erträge erhoben werden. Das bedeutet auch: Weil für Alt- und Neubestände verschiedene Regeln gelten, müssen Anschaffungskosten und -zeitpunkt genau belegt werden können.

Unabhängig davon, wie es mit dem Gesetzesvorhaben weitergeht: Investieren sollte man nur mit hohem Risikobewusstsein und mit einem sehr kleinen Teil des Vermögens. „Auch wenn Kryptowährungen als Spekulationsobjekte reizvoll sein können: Als Kern-Investment für den Vermögensaufbau sind sie ungeeignet“, unterstreicht May. „Die hochinteressante Technologie der Blockchain macht aus Kryptowährungen jedenfalls nicht von selbst eine vernünftige Anlage.“

Wie du bei der Geldanlage in Aktien unnötige Risiken vermeidest, erfährst du hier.

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