Finanzwissen
Geldanlage: Wann soll ich meine Strategie ändern?
Wir werden oft gefragt, wann es Zeit ist, die eigene Anlagestrategie anzupassen. Wann wir dazu raten – und wann nicht.
Veröffentlicht am 5 min Lesezeit
Manchmal machen besondere Kursbewegungen oder reißerische Schlagzeilen Anlegerinnen und Anleger nervös. Wir werden deshalb oft gefragt, ob es Zeit ist, die Strategie bei der Geldanlage anzupassen. Wann wir dazu raten – und wann nicht.
Warnungen vor einer „Schuldenkrise“, einem „Zinsschock“, sogar vor einer tickenden „Zinsbombe“: Es passiert nicht so oft, dass es die Anleihemärkte in die Schlagzeilen schaffen. Aber im September und Oktober haben zeitweise sprunghaft steigende Renditen von Staatsanleihen – insbesondere in den USA und Frankreich – medial für ein dramatisches Echo gesorgt. Die wachsenden Staatsschulden sind wieder einmal in den Fokus gerückt. Eine Einordnung dazu haben wir im September bei quirion LIVE gegeben.

Dagegen haben viele Aktienmärkte bis in den Oktober hinein eine erstaunliche Widerstandskraft gezeigt. In den USA kletterte der S&P 500 auf ein neues Allzeithoch. Und das trotz des Kriegs in Nahost, der weiterhin die Energiepreise und damit die Inflation anheizt. Skeptisch stimmt allerdings so manchen, dass die Aufwärtsbewegung nur von wenigen Aktien getragen wird – besonders von großen Tech-Werten.
All das ist bloß eine Momentaufnahme. Der nächste potenzielle Aufreger ist schon terminiert: Mit den Zwischenwahlen in den USA am 3. November könnten die Republikaner im Kongress die Mehrheit verlieren. Was das für die Politik von US-Präsident Donald Trump bedeutet, liefert reichlich Stoff für Spekulationen.
Nicht in die „Glaskugel“ schauen
Viele Anlegerinnen und Anleger fragen sich, ob und wie sie auf solche Entwicklungen reagieren sollen. Wäre es jetzt besser, Anleihen aus den USA und Frankreich eher zu meiden – oder sind die Zinsen gerade so lukrativ, dass man stattdessen auf Aktien verzichten kann? Ist es ratsam, den Anteil von US-Aktien jetzt herunterzufahren – oder liefern die USA als Leitmarkt der Welt einen Löwenanteil der Renditechancen, sodass man auf breite internationale Streuung eigentlich verzichten kann?
Für die richtige Antwort bräuchte man die vielbeschworene Glaskugel. Ob aus der Politik oder der Wirtschaft, ob einzelne Unternehmensergebnisse oder Leitzinsentscheidungen: Der Strom der Auslöser möglicher Marktreaktionen reißt nicht ab. „Die Liste ließe sich lange fortsetzen“, stellt Philipp Dobbert fest, Chefvolkswirt und Leiter der Vermögensverwaltung bei quirion und Quirin Privatbank. „Bei einigen Entwicklungen, etwa der Inflation, kennen wir den Verlauf nicht. Von anderen wissen wir im Vorfeld überhaupt noch nichts – man denke nur an Corona oder den jüngsten Iran-Krieg.“
Außerdem weiß niemand im Vorhinein, wie die Marktreaktion jeweils ausfällt. „Es gibt nie die Situation, in der man sagen kann: Jetzt stehen für einen Markt beziehungsweise einzelne Wertpapiere alle Ampeln auf ,grün‘ oder ,rot‘. Jetzt ist klar, wie sie sich in einem bestimmten Zeitraum bewegen werden“, betont Dobbert. „Die Unsicherheit bleibt. Darauf muss man sich einstellen.“
Grundlagen einer fundierten Langfrist-Strategie
Gerade wenn es um langfristigen Vermögensaufbau geht, sollte sich die Anlagestrategie nicht an aktuellen Trends oder Schlagzeilen orientieren. Sondern an dem, was man möglichst verlässlich sagen kann. Aktien sind Unternehmensbeteiligungen. Zwar kann niemand wissen, wie genau sich einzelne Unternehmen in Zukunft entwickeln. Aber wenn man an alle Unternehmen denkt, ist doch die Richtung gewissermaßen vorgegeben: Die Weltwirtschaft als Ganzes ist auf Wachstum ausgelegt. Deshalb bewegen sich auch die Aktienmärkte langfristig und im Durchschnitt nach oben.
Dabei zeigt die Weltwirtschaft immer wieder, dass sie widerstands- und anpassungsfähig ist. Das belegt ein Blick auf die jährlichen Wachstumsraten in den vergangenen zehn Jahren – also in einem Zeitraum, in dem an Krisen kein „Mangel“ herrschte.

Bei Anleihen gibt es diesen Zusammenhang nicht. Bei diesen geht es um eine Art Kredit, der am Ende mit mehr oder weniger großer Wahrscheinlichkeit zurückgezahlt wird. Deshalb sind die Renditen von Anleihen langfristig und im Schnitt denen von Aktien unterlegen. Laut „Global Investment Returns Yearbook 2026“ von UBS und London Business School haben Aktien von 1900 bis 2026 in 21 untersuchten Ländern Anleihen und Geldmarktpapiere übertroffen. Allerdings: Die Kursschwankungen von Anleihen fallen in der Regel viel geringer aus als die von Aktien. Deshalb kann ein Anleihebaustein in einem Portfolio die Schwankungen des Aktienanteils in gewissem Grad abfedern.
Ein ETF-Portfolio für alle Marktphasen
Im globalen ETF-Portfolio von quirion liefern Aktien die langfristigen Renditechancen. „Dabei vertrauen wir auf eine wissenschaftlich fundierte Diversifikation, um das Verhältnis von Renditechancen und Risiken zu optimieren“, zeigt Dobbert auf. „Mit einem solchen Portfolio spekuliert man nicht auf bestimmte Trends, sondern zielt auf die langfristige Durchschnittsrendite der weltweiten Aktienmärkte.“
Je nach persönlichem Risikoprofil werden zudem Anleihen beigemischt. „Unsere Anleihebausteine sind ebenfalls breit gestreut und enthalten nur ETFs auf Euro-Anleihen oder Bonds, die gegen Währungsbewegungen abgesichert sind.“ Ansonsten könnten Wechselkursbewegungen den stabilisierenden Effekt schmälern.
Für das Verhältnis von Aktien zu Anleihen gilt: Je länger der Zeithorizont, desto besser kann man Renditechancen nutzen und desto höher kann der Aktienanteil sein. Ein Strategiewechsel – also eine Veränderung im Verhältnis von Aktien und Anleihen – ist nur dann erforderlich, wenn sich an den eigenen Zielen oder den persönlichen Lebensumständen etwas ändert. „Wir orientieren uns in unserer Anlagestrategie nicht nach aktuellen Markteinschätzungen – und würden auch niemandem dazu raten“, unterstreicht Dobbert. „Statt auf die Kurse oder die Nachrichtenlage sollte man sich auf das persönliche Risikoprofil und die eigenen Anlageziele konzentrieren.“
Mehr über den Aufbau unseres globalen ETF-Portfolios erfährst du hier.
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